Google, Gott und Giacobbo – unsere Medien-Highlights 2011

smartvote war im letzten Jahr fast täglich in den Schweizer Medien präsent. Ob im Radio oder im Fernsehen, ob in Print-Zeitungen oder online, ob in deutsch-, französisch- oder italienischsprachige Medien – smartvote war in ausführlichen Berichten und Analysen, in Interviews und Leserbriefen, in Politiker- und Parteienporträts, in Blogs, Kommentaren und Kritiken fest in der Wahlkampf-Berichterstattung und -Kommunikation integriert.

Nachfolgend möchte ich Ihnen aus den über 500 Medienberichten des letzten Jahres meine drei persönlichen Favoriten vorstellen:

1. TOP 3 GOOGLE (BLICK AM ABEND)

“Blick am Abend” vom 20. Oktober 2011

Kurze Zeit vor den nationalen Wahlen war smartvote bei den Wähler/innen so gefragt, dass wir zweimal auf dem Google-Podest von „Blick am Abend“ landeten.

 

2. GOTT SMARVOTE („TAGESWOCHE)

Ausschnitt aus dem Interview in der “Tageswoche” vom 2. Dezember 2011 mit Ueli Leuenberger

 

Die Grünen auf Suche nach ihrer politischen Richtung: Ueli Leuenberger, Noch-Parteipräsident der Grünen, überlässt es im Interview mit der „Tageswoche“ (2.12.2011) dem „allmächtigen Gott smartvote“, die politische Position der Grünen im Links-rechts-Schema zu finden…

 

 

 

3. DAS ETWAS ANDERE SMARTSPIDER-PROFIL (GIACOBBO/MÜLLER, SF)

smartvote fand sogar Eingang in die Satire-Sendung „Giacobbo/Müller“! Viktor Giacobbo hatte im Vorfeld der Wahlen ebenfalls den smartvote-Fragebogen ausgefüllt und offenbar einen „smartspider“ der etwas anderen Art erhalten. Sehen Sie den Sketch bei 1 Minute 40:

smartvote hat sich im öffentlichen Bewusstsein und medial als Politikinformationsplattform etabliert. Könnten wir es uns leisten, müssten wir wohl eine Medienabteilung einrichten…

Medienkritik II: Eine krasse Fehlleistung der NZZ am Sonntag

In ihrer Ausgabe vom 16. Oktober hat die NZZ am Sonntag smartvote erneut kritisiert. Unter dem Titel „Politologen kritisieren smartvote scharf“ suggeriert ein Artikel, dass smartvote unter Politikwissenschaftlern als Scharlatanerie betrachtet werde. smartvote stellt sich gerne der Kritik und weist selbst immer wieder auf die Grenzen der smartvote-Website hin (z.B. in unseren smartspider-Beitrag).
Auch der Erarbeitung des betreffenden Artikels der NZZ am Sonntag haben wir uns nicht verschlossen – was rückblickend naiv war, denn an eine faire Berichterstattung war wahrscheinlich gar nie gedacht worden.

Im Artikel findet sich eine ganze Reihe von krassen Fehlern, Halb- und Unwahrheiten, die wir gerne richtigstellen möchten:

ERFUNDENE KONFRONTATION

In einem Abschnitt beschreibt die Autorin, was diesen August an einer Konferenz in Reykjavik angeblich passiert sein soll: „An einem Politologie-Kongress in Reykjavik im August musste sich Smartvote-Mitbegründer Andreas Ladner saftige Kritik anhören. Der belgische Politikwissenschafter Stefaan Walgrave von der Universität Antwerpen griff ihn frontal an. Er bezeichnete Smartvote und Online-Wahlhilfen insgesamt als ,Scharlatanerie’.“

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Der Workshop in Reykjavik wurde von Andreas Ladner und Stefaan Walgrave gemeinsam organisiert. An einen Frontalangriff auf Andreas Ladner und smartvote können sich die Direktbetroffenen nicht erinnern. Vielmehr wurde mit Stefaan Walgrave im Anschluss an den Workshop intensiv über zukünftige gemeinsame Projekte und Publikationen zu Online-Wahlhilfen gesprochen. Wie die Autorin, die nicht in Reykjavik anwesend war, zu ihren Aussagen kommt, ist für diejenigen, die an dem Workshop teilgenommen haben, ein Rätsel.

ERFUNDENES GRÜNDUNGSMITGLIED

Die Richtigstellung, dass Andreas Ladner entgegen der Darstellung im NZZ am Sonntag-Artikel kein Gründungsmitglied von smartvote ist, mutet neben der abenteuerlichen Geschichte über eine angebliche Konfrontation wie ein Bagatelle an. Es ist aber bedeutsam, wenn am Schluss des Artikels vom Vorhaben von Andreas Ladner gesprochen wird, smartvote mit e-Voting zu verbinden: Andreas Ladner äusserte diesen Denkanstoss einer solchen Entwicklung im e-Voting-Bereich als Projektleiter eines Forschungsprojektes am IDHEAP (Universität Lausanne), das sich mit der Benutzung von Online-Wahlhilfen befasst. Zudem gehört er zu einer Reihe von Wissenschaftlern, die smartvote im Laufe der Jahre beratend zur Seite gestanden sind. Freilich wird dieser Vorschlag vonseiten smartvote weder aktiv gefordert, noch ist er Teil irgendeiner Strategie.

SMARTVOTE UND MADAME SOLEIL

Weiter führt der NZZ am Sonntag-Artikel eine diesen Frühling veröffentlichte Studie von Walgrave an, in der smartvote explizit kritisiert und darauf verwiesen werde, dass man anstelle von Online-Wahlhilfen auch Madame Soleil fragen könne, wen man wählen wolle.

Tatsache ist: Die Studie wurde nicht diesen, sondern im Frühling 2009 veröffentlicht (1). Darin wird smartvote lediglich in einem einleitenden Abschnitt erwähnt, der auflistet, in welchen Ländern es Online-Wahlhilfen bereits gibt. Ansonsten konzentriert sie sich auf generelle Aussagen zu Online-Wahlhilfen anhand von Daten einer belgischen Website. Von einer expliziten Kritik an smartvote kann keine Rede sein.

Aussagen bezüglich Scharlatanerie und Madame Soleil kommen in der schliesslich veröffentlichten Studie gar nicht mehr vor. Sie waren nur Gegenstand einer ersten unbereinigten Version von 2008, auf die sich die NZZ am Sonntag stützt. Und nicht einmal in dieser ersten Version fielen die Ausdrücke im Zusammenhang mit smartvote. Es wurde in diesem Workingpaper nur generell darauf verwiesen, dass Online-Wahlhilfen mehr mit Scharlatanerie (und Madame Soleil) als mit Politikwissenschaft zu tun hätten, wenn deren Betreiber die Fragebogen nicht sorgfältig zusammenstellten und regelmässig überprüften.

VIEL LOB FÜR SMARTVOTE

So weit zu den inhaltlich falschen Aussagen. Fast noch schlimmer ist das Unterschlagen von Aussagen von Politikwissenschaftlern und Studien, die smartvote partout nicht kritisieren und – man staune – sogar explizit loben. An der besagten Konferenz in Reykjavik wurde z.B. eine holländische Studie vorgestellt, die sich ebenfalls der methodischen Grundlagen von Online-Wahlhilfen angenommen hat. In dieser Studie wird smartvote ausdrücklich als positives Beispiel genannt. Die Studie wurde der Autorin des NZZ am Sonntag-Artikels von uns im Originaltext vorgängig zur Verfügung gestellt. Eingang in den Artikel hat sie nicht gefunden.

FAZIT

Eine kritische Betrachtung von Online-Wahlhilfen wie smartvote ist sinnvoll und notwendig. Damit die Kritik aber auch fruchtet, sollte sie nicht auf falschen Behauptungen sowie tendenziös verfassten und schlecht recherchierten Berichten beruhen.

(1) Walgrave, Stefaan, Nuytemans, Michiel and Pepermans, Koen (2009), ‘Voting Aid Applications and the Effect of Statement Selection’, West European Politics, 32: 6, 1161—1180.

Mediale smartvote-Kritik: Gehaltvoll ist anders…

Der smartvote-Erfolg ruft Kritiker auf den Plan. smartvote hat die offene Diskussion nie gescheut, sondern will sie im Gegenteil fördern: Über verschiedenste Kanäle (Facebook, Blogs, E-Mail und Telefon) erhielt und erhält smartvote ständig Verbesserungshinweise von Usern, die intern diskutiert und oft auch umgesetzt werden. In den letzten Wochen und Monaten häufte sich nun die in den Medien veröffentlichte Kritik. Diese nimmt der Blog-Beitrag unter die Lupe.

Medial verbreitete smartvote-Kritik lässt sich unter drei Punkten zusammenfassen:

  1. Mangelnde Transparenz.
  2. Politiker lassen sich nicht „vermessen“.
  3. Die smartspider-Grafiken geben ein falsches Bild wieder.

Werfen wir einen genaueren Blick darauf:

MANGELNDE TRANSPARENZ?

Seit der ersten Anwendung 2003 gewährt smartvote absolute Transparenz sowohl in Bezug auf die methodische Basis als auch hinsichtlich der eigenen Finanzierung.
Alles auffindbar auf der smartvote-Webseite. Wenn man sich nur die „Mühe“ machen würde, diese zu konsultieren. Zudem geben wir immer bereitwillig Auskunft. Leider funktioniert aber so manche/r Journalist/in anders. Diese reagieren häufig auf Behauptungen, die ihnen von dritter Seite (Parteisekretariate, Kandidierende) zugetragen werden, und bringen die Story selbst dann, wenn sich der „Anfangsverdacht“ nicht erhärten liess. (1)

Das Ziel der Parteien und ihrer Exponenten:

  1. Publizität.
  2. Der Wähler soll an der Glaubwürdigkeit von smartvote zu zweifeln beginnen und den Wahlplakaten und Medienauftritten der Parteien wieder mehr Vertrauen schenken.

VERMESSENE POLITIKER?

smartvote will die politischen Einstellungen und Werthaltungen der Kandidierenden vergleichbar machen – denn das Angebot an Parteien und Kandidierenden ist in vielen Wahlkreisen unübersichtlich. Dieser Vergleich muss parteiunabhängig, systematisch und politisch fair zustande kommen. Dazu ist ein standardisierter Fragebogen mit möglichst präzis formulierten Fragen notwendig.
Dagegen melden vor allem Mitte-Politiker immer wieder Vorbehalte an, da sie sich um ihre Differenzierungsfähigkeit und um ihre Rolle als Konsensbildner gebracht sehen. Anstatt an ihrer wirklichen Leistung gemessen, würden sie nur noch vermessen. (2)

Richtig ist:

  • Eine starke politische Mitte stabilisiert das System.
  • Das Ausfüllen von politischen Fragebogen kann unangenehm sein.

Falsch ist:

  • Dass smartvote kompromisslose Politiker/innen und Parteien bevorzugen würde.

Einerseits können die Kandidierenden bei jeder Frage auch eine „Eher“-Antwort angeben. Dies ist kein Nachteil, denn smartvote-User machen dies schliesslich auch sehr oft. Ebenso können die Kandidierenden ihre eigene Antwort bei jeder Frage ausführlich kommentieren und sich so politisch „absichern“.

Andererseits zeigt sich regelmässig, dass die „Vermessung“ à la smartvote ziemlich genau mit der Selbstdarstellung und der Eigenwahrnehmung der verschiedenen Mitte-Parteien übereinstimmt. Preist sich die breite politische Mitte nicht (zu Recht) immer wieder als politische Kraft an, welche Extrempositionen verabscheut und für ausgewogene, mehrheitsfähige Lösungen einsteht? Genau das stellen doch die typischen Mitte-smartspider grafisch dar! Wenn sich Mitte-Politiker also lauthals über ihr smartvote-Profil beschweren, dann heisst dies, dass sie nicht sein wollen, was sie sind – oder nicht sind, was sie sein wollen.

 

 

 

Bunte Variation an Mitte-Profilen (FDP, BDP und CVP): Wie sonst wäre die scharfe Abgrenzung von den „Extremparteien“ darzustellen?

FALSCHE SMARTSPIDER?

Je mehr Wahlen smartvote begleitet, desto häufiger wird eine neue Kritik geäussert: Die smartspider seien falsch, weil sie sich von Wahl zu Wahl verändern können. (3)
Was dabei nie erwähnt wird: Wir haben konstant vor einem smartspider-Direktvergleich aus unterschiedlichen Wahlen gewarnt und noch nie einen entsprechenden Abdruck in den Medien autorisiert. Weil den Grafiken unterschiedliche Fragebogen zugrunde liegen, ist nur ein Vergleich innerhalb derselben Wahl methodisch statthaft.

Wir waren etwas naiv zu glauben, dass dies die recherchierende Zunft interessiert. Stattdessen werden entgegen unserer ausdrücklichen Anweisung smartspider aus unterschiedlichen Wahlen gegenübergestellt und so Zweifel an der Glaubwürdigkeit von smartvote gesät. (Mehr zur smartspider-Kritik findet ihr im Blog-Beitrag „Politik im Spinnennetz – was bleibt hängen?“ http://blog.smartvote.ch/?p=169)

Fazit: Ehrliche, konstruktive Kritik sucht die Öffentlichkeit nicht. Auf Kritik, welche man in den Publikumsmedien zu lesen bekommt, trifft hingegen oft Folgendes zu:

  1. Schludrig recherchiert.
  2. Wider besseres Wissen publiziert.
  3. Durch (partei-)strategische Hintergedanken kontaminiert.

(1) z.B. NZZ am Sonntag, 21.11.2010.
(2) z.B. http://politblog.tagesanzeiger.ch/blog/index.php/4150/im-netz-der-spinne/?lang=de
(3) z.B. NZZ am Sonntag, 6.2./20.2.2011; Weltwoche Nr. 37/2011