Jan Fivaz

Über Jan Fivaz

Jan Fivaz (1974) studierte an der Universität Bern Neue und Schweizer Geschichte, Politikwissenschaft und VWL. Neben seiner Tätigkeit bei smartvote arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter/Doktorand an der Universität Bern und am IDHEAP (Universität Lausanne).

Eine Antwort an Herrn Knauss

Markus Knauss (Zürcher Stadtratskandidat) hat auf seiner Website einen Beitrag veröffentlicht, in dem er mit smartvote und dem smartvote-Fragebogen für die Zürcher Wahlen hart ins Gericht geht. Zunächst einmal möchten wir uns dafür bedanken, dass er den Fragebogen trotz seiner Verärgerung beantwortet hat.

So stört sich Markus Knauss an einer Reihe von Fragen, die aus seiner Sicht am eigentlichen Sachverhalt vorbeizielen, zu wenig detailliert oder nicht sachgerecht formuliert sind. Einen Teil der Kritik müssen wir schlucken. Ein Tool wie smartvote muss Fragen bis zu einem gewissen Grad vereinfachen und kann nicht alle denkbaren Handlungs- und Antwortoptionen berücksichtigten. Daher auch das vereinfachende „Ja – Eher ja – Eher nein – Nein“-Antwortschema. Ansonsten wäre ein Vergleich zwischen mehreren Hundert Kandidierenden nicht möglich.

Es gibt aber auch Kritikpunkte, die ins Leere zielen: so z.B. dass wir nach der Zustimmung bzw. Ablehnung der Volksinitiative „Ja zu fairen Gebühren“ des Zürcher Gewerbeverbandes fragen. Ob es die Initiative wirklich braucht oder ob sie sinnvoll ist oder nicht, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Doch darum geht es nicht: Fakt ist, die Initiative ist zustande gekommen, über sie wird abgestimmt werden. Daher ist es durchaus berechtigt, die Frage im Fragebogen aufzuführen.

Der Knauss’sche Hauptkritikpunkt liegt jedoch weniger bei den Fragen als beim smartspider. Mit seiner Sorge, wie sich seine Antworten auf die Ausgestaltung seines smartspiders auswirken, ist er nicht allein. Wir weisen hier aber (zum wiederholten Male) darauf hin, dass diesbezüglich überhaupt keine Mutmassungen notwendig sind! smartvote ist diesbezüglich vollkommen transparent und legt für alle Fragen offen, ob und wenn ja wie sie in die Berechnung des smartspiders einfliessen (Bsp. für die Zürcher Wahlen).

So können wir Herrn Knauss zumindest teilweise beruhigen, wenn wir darauf hinweisen, dass gerade bei mehreren von ihm ins Feld geführten Fragen gar keine Auswirkungen auf den smartspider vorhanden sind (z.B. Zusammenschluss Stadtspitäler Waid und Triemli mit Unispital, Frage zu mehr städtebaulicher Verdichtung mittels BZO).

Bezüglich der smartspider gibt es seit Jahren immer wieder Kritik. Wobei sich die Kritikpunkte je nach politischer Richtung, aus der sie kommen, durchaus widersprechen können. Auf die entsprechende Kritik sind wir in diesem Blog bereits mehrfach eingegangen http://blog.smartvote.ch/?p=169 und http://blog.smartvote.ch/?p=237.

Kandidierende und Journalisten versteifen sich bei ihrer Beurteilung von smartvote oft auf die smartspider. Dabei stellen diese nur ein Nebenprodukt von smartvote dar. Das Hauptprodukt ist die berechnete Wahlempfehlung in Form einer rangierten Liste. Diese stützt sich auf einen rein mathematischen Algorithmus und enthält anders als der smartspider keinerlei politische Wertungen. Interessanterweise haben Rückmeldungen, die wir erhalten, sowie Benutzerumfragen gezeigt, dass die Wähler/innen weit weniger smartspider-fixiert sind.

Im letzten Satz seines Beitrags hält Markus Knauss fest, dass „vermessene Demokratie eben keine politischen Diskussionen“ ersetze. Damit rennt er bei uns offene Türen ein. Wir haben nie etwas anderes behauptet. Wir selber weisen immer wieder darauf hin, dass smartvote nur eine unter mehreren Entscheidungshilfen für die Wahlentscheidung ist.

Gerne verweisen wir daher auch auf unseren Blogbeitrag zum Informationsverhalten der smartvote-Benutzer/innen. Anhand von Umfragedaten legen wir dar, dass die smartvote-Benutzer/innen keineswegs blindlings der Wahlempfehlung oder den Analysen vertrauen und 1:1 nach diesen wählen. Vielmehr diskutieren sie diese in der Familie oder mit Freunden und Kollegen oder benutzen sie als Ausgangspunkt, um gezielt nach weiteren Informationen zu Kandidierenden zu suchen. Alles in allem sind sich die Benutzer/innen der Chancen und Risiken von smartvote sehr bewusst und gehen verantwortungsbewusst mit den zur Verfügung gestellten Informationen um.

10 Jahre smartvote: Teil 3

SMARTVOTE WÄCHST WEITER:

2005:

  • smartvote wird bei immer mehr kantonalen und lokalen Wahlen in allen Landesteilen angeboten. Dazu werden jeweils Praktikant/innen angeheuert. Die Fussballtrainings der Uni Bern erweisen sich hierbei als hervorragender Rekrutierungspool.
  • Den Praktikant/innen gefällt’s bei uns, und viele bleiben nach dem Praktikum im Verein und arbeiten gratis weiter. Dadurch wächst der Verein im Laufe der Jahre auf rund 40 Mitglieder an.
  • Im Herbst 2005 wird smartvote auch zu einem Forschungsprojekt! Das NCCR Democracy startet ein Projekt an den Universitäten Zürich, Lausanne und Bern, um die Benutzung von smartvote zu erforschen.

2006:

  • Im Hinblick auf die nationalen Wahlen 2007 beginnen die Arbeiten an smartvote 5.0. Es wird ein komplettes Redesign der Seite umgesetzt. Die IT liegt dabei fest in den Händen von Frauen: Wir haben fast alle verfügbaren Informatikerinnen der Uni Bern angestellt: Stefani, Lea und Brigitte.

2007:

  • Dieses Jahr steht ganz im Fokus der Nationalrats- und Ständeratswahlen. Ein Höhepunkt des Jahres: Praktikant Simon Bart ruft bei der Grünen Partei an, um das Angebot vorzustellen, und meldet sich mit: “Grüezi, da isch Smart vo Bartvote…” Gelächter am anderen Ende der Leitung.
  • Bilanz der Wahlen: 84 % der Kandidierenden haben mitgemacht, 963’000 Wahlempfehlungen wurden ausgestellt.
  • Hatte sich Ueli Maurers Einschätzung zu smartvote seit 2003 verändert? Das wissen wir nicht, ABER mitgemacht hat er allemal:
smartspider von Ueli Maurer (2007)

smartspider von Ueli Maurer (2007)

10 Jahre smartvote: Teil 2

2003 – DAS JAHR 0 DER SMARTVOTE-ZEITRECHNUNG

  • smartvote 3.0 wird in Zusammenarbeit mit MySign veröffentlicht. Auch verfestigt sich smartvote langsam, aber sicher auch institutionell: Wir verfügen nun über ein Postfach! Nach wie vor arbeiten aber die smartvot’ler von zu Hause aus.
  • Der grosse Moment ist da: Für die Nationalrats- und Ständeratswahlen 2003 geht smartvote zum ersten Mal online! Bilanz: 50% der Kandidierenden machen mit, 255’000 Wahlempfehlungen werden ausgestellt.
  • “So ein Mist…”. So äussert sich der damalige SVP-Präsident Ueli Maurer öffentlich über smartvote. Damit müssen wir leben.

2004 – SMARTVOTE 4.0 ENTSTEHT INNNERHALB VON ZWEI MONATEN

  • Wir entschliessen uns dazu, smartvote weiterzuführen! Hierzu gründen wir den nicht gewinnorientierten Verein Politools als Trägerverein.
  • smartvote 4.0 wird realisiert: Nun mit der smartmap und zahlreichen weiteren Änderungen. Programmiert wird sie von Serge, der zwischen zwei Jobs steht, innerhalb von nur 2 Monaten: In dieser Zeit verlässt Serge die Wohnung kaum noch, lebt vom Pizza-Service, und manchmal wird das Pyjama erst gar nicht ausgezogen. Er programmiert von 6.30 Uhr früh bis spät in die Nacht. Seine Frau bezeichnet ihn als “total beknackt”, der Ehe hat es aber nicht geschadet.
  • Damit Serge programmieren kann, investieren wir das gesamte Vereinskapital von knapp 4’000 Franken in einen Laptop.
  • In diesem Jahr wird smartvote zum ersten Mal auf kantonaler Ebene angeboten: in den Kantonen Thurgau und St. Gallen.

Wie gehts weiter? Fortsetzung folgt…

10 Jahre smartvote: Teil 1

PROLOG: EINE ONLINE-WAHLHILFE ENTSTEHT

Wir schreiben das Jahr 2001: Die Idee wird geboren – wann und wie genau sie entstanden ist, ist jedoch nicht mehr ganz klar. Dass dabei Bier im Spiel war, da sind wir uns aber sicher. Die übrigen Zutaten: ein Politologe (Daniel), ein Historiker (Jan), ein Designer (Albert), zwei Wirtschaftsinformatiker (Serge und Tobias) und ein Volkswirtschaftler (Bruno).

Motivation: Wir wollten zwar wählen gehen, taten uns aber mit der Entscheidung schwer. Bei allen Parteien hat uns immer irgendetwas nicht gepasst. So kam die Idee auf, dass allenfalls ein Computerprogramm diesem Problem Abhilfe schaffen könnte.

Gearbeitet haben wir an der Idee jeweils nach Feierabend und an den Wochenenden. Für Sitzungen wurden Seminarräume an der Uni Bern in Beschlag genommen – in der Regel wurden wir gegen 21 Uhr von der Putzkolonne vor die Tür gesetzt.

Wir schreiben das Jahr 2002: Die Idee wird verfeinert und am Namen der Website rumgedoktert. In der engeren Auswahl stehen easyvote.ch und smartvote.ch. Der Entscheid erfolgt knapp zugunsten von Letzterem – der Autor wird dabei überstimmt, ist heute darüber aber sehr glücklich.

smartvote 1.0: Die erste smartvote-Version steht, wird aber nicht veröffentlicht. Sie verfügt zwar bereits über eine gut funktionierende Wahlempfehlung, ist aber farblich noch sehr gewagt in Giftgrün gehalten.

smartvote 2.0: Die zweite Version folgt bereits gegen Jahresende. Als tonangebende Farbe wird nun Orange verwendet und ist dies heute noch. Zudem wird das Logo entworfen, und in Zusammenarbeit mit Sotomo entsteht der smartspider.

Fortsetzung folgt …

Obama-Kampagne 2012: Viel Aufwand, wenig Ertrag?

Im Herbst 2012 haben die amerikanischen Wahlen wieder einmal neue Massstäbe gesetzt: Zum einen waren es die teuersten Wahlen in der Geschichte der USA. Gemäss dem Center for Responsive Politics wurden mehr als 6.2 Milliarden US-Dollar ausgebeben, und allein der Präsidentschaftswahlkampf hat mehr als 2.6 Milliarden US-Dollar gekostet. Zum anderen wurde vor allem die Obama-Kampagne thematisiert. Nicht zuletzt wurde deren Erfolg auf den massiven Einsatz von Social Media und neuen technischen Hilfsmitteln wie dem Projekt „Narwhal“ – einer Datenbank mit detaillierten Informationen zu 250 Millionen Wähler/-innen – zurückgeführt. SoMePolis bietet einen guten Einstieg in das Data-Mining und Micro-Targeting der Obama-Kampagne.

Der Monkey Cage – ein politikwissenschaftlicher Blog – geht nun der Frage nach, ob sich die ganze Aufregung um die angeblich so effektive Obama-Kampagne wirklich gelohnt hat, und kommt mitunter zu überraschenden Ergebnissen:

  • What If the Obama Campaign Didn’t Win Him the Election? John Sides bezweifelt zwar nicht, dass die Obama-Kampagne gut geplant und durchgeführt worden ist, jedoch findet er keine Hinweise darauf, dass die Kampagne besser als diejenige von Romney war. In den „Battleground-States“, auf die sich die Kampagne konzentriert hat, hat Obama nur unwesentlich besser abgeschnitten als in Staaten, in denen die Kampagne kaum oder gar nicht aktiv war.
  • Who Won the Ad War? Michael Franz analysiert den Effekt von mehr als 1.1 Millionen Inseraten und Werbespots und findet einen weniger starken Effekt der Werbespots auf die Wahlergebnisse als noch in den Wahlen von 2008 und 2004. Allerdings wird man in Zukunft vermehrt die Auswirkungen von externen Kampagnen (Kampagnen der so genannten Super PACs), die nicht der direkten Kontrolle der Kandidierenden unterstehen, berücksichtigen müssen.
  • Obama’s Voter Mobilization Was Barely More Effective than Romney’s Im Gegensatz zur Mehrheit der Experten und politischen Beobachter kommen Ryan Enos und Anthony Fowler zum Schluss, dass die Obama-Kampagne zwar sehr effektiv darin war, das eigene Wählerpotenzial für die Wahlteilnahme zu mobilisieren, dass sie dabei aber trotz des immensen Aufwandes kaum besser abschnitt als die Romney-Kampagne. Der Unterschied in den Mobilisierungseffekten zwischen den beiden Kampagnen betrug lediglich 1.6 Prozentpunkte.
  • How Much Did the 2012 Air War and Ground Game Matter? In einem abschliessenden Beitrag stellen Lynn Vavreck und John Sides die Vermutung auf, dass sich die beiden Wahlkampagnen 2012 nahezu neutralisiert haben. Den klaren Sieg Obamas führen sie weniger auf die Kampagne, sondern auf die, zwar langsam und stockend verlaufende, wirtschaftliche Erholung zurück, die jedoch ausgereicht hat, Obama als amtierendem Präsidenten einen entscheidenden Vorsprung zu verschaffen.