Über Roger Siegenthaler

Roger Siegenthaler (1989) studiert Politikwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bern. Seit 2011 ist er bei smartvote als Projektmitarbeiter aktiv.

Die Beteiligung von Parteien und Kandidierenden bei smartvote

Der Nutzen von smartvote für die Öffentlichkeit hängt eng mit einer hohen Beteiligung der Parteien und der Kandidierenden zusammen. Wie hat sich die Teilnahmequote der Kandidierenden bei smartvote im Verlauf der letzten 10 Jahre entwickelt?

Am Beispiel je einer nationalen, einer kantonalen und einer lokalen Wahl soll diese Entwicklung kurz aufgezeigt werden:

  • Nationalratswahlen 2007 und 2011: Bei den Nationalratswahlen 2007 haben rund 2600 von 3089 Kandidierenden (84%) den smartvote-Fragebogen ausgefüllt. 2011 haben sich ebenfalls 84% aller Kandidierenden beteiligt. In absoluten Zahlen ist die Anzahl teilnehmender Kandidierenden allerdings auf rund 2900 (von 3458) gestiegen.
  • Kantonsratswahlen St. Gallen 2008 und 2012: Bei den Wahlen des Kantonsrats im Jahr 2008 haben sich 85% der Kandidierenden bei smartvote beteiligt. Dieser Anteil ist bei den Wahlen 2012 konstant geblieben. Die absolute Anzahl Kandidierende ist ebenfalls ungefähr gleich geblieben.
  • Stadtratswahlen Bern 2008 und 2012: Bei den Wahlen des Stadtrats von Bern haben im Jahr 2008 71% der Kandidierenden den Fragebogen ausgefüllt. 2012 ist dieser Anteil auf 83% gestiegen. Die absolute Anzahl teilnehmender Kandidierender ist dabei ebenfalls deutlich gestiegen.

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Durch einen Vergleich aller von smartvote begleiteten Wahlen kommt man zu einem ähnlichen Ergebnis wie in den drei aufgeführten Beispielen: Die Beteiligung der Kandidierenden ist in den vergangenen Jahren laufend angestiegen, nämlich im Schnitt von 78% auf 85%. Dabei ist auffällig, dass sowohl bei Exekutiv- als auch bei Legislativwahlen sowie auf allen politischen Ebenen die Beteiligung der Politiker/-innen zunimmt.

Auch die regelmässig während Wahlen auftauchende Kritik an smartvote führte nicht zu einer Abnahme bei der Beteiligung der Kandidierenden. Vielmehr steigt die Nutzung von smartvote laufend an. Ob sich dieser Trend fortsetzt oder die Zahlen auf diesem hohen Niveau stagnieren, wird sich in Zukunft zeigen. Insgesamt sind die Politiker, wie durchgeführte Studien zeigen, durchaus zufrieden mit smartvote. Rund 70% der befragten Nationalratskandidierenden gaben 2007 an, dass smartvote für sie ein klarer Vorteil darstellte. Nur gerade 2% gingen von einem negativen Einfluss aus.

Die Beteiligung der Parteien stellt für das smartvote-Team bei jeder Wahl aufs Neue eine Herausforderung dar — Kontaktaufnahme, Offerte-Versand, Überzeugungsarbeit etc. Umso mehr freut es uns, dass jeweils so viele Kandidierende mitmachen.

Und das sagen die smartvote-Nutzer/innen

Die Online-Wahlhilfe smartvote steht und fällt mit der Zufriedenheit seiner Benutzer/innen. Nur wenn sie mit der angebotenen Dienstleistung zufrieden sind, werden sie smartvote auch für zukünftige Wahlen wieder benutzen.

Rückmeldungen von unseren User/innen erhalten wir per E-Mail, Facebook, Kontaktformular oder auch mittels unserer Wählerbefragungen. Die grossen Wählerbefragungen anlässlich der nationalen Wahlen 2007 und 2011 zeigen, dass die Benutzer/innen von smartvote mehrheitlich mit der Wahlhilfe zufrieden sind. Diese Ergebnisse und wie die Wähler/innen smartvote Nutzen und welchen Einfluss smartvote auf ihr Wahlverhalten hat, haben wir hier bereits aufgezeigt.

2012 haben wir nun begonnen, parallel zu den begleiteten Wahlen (sei es kantonal oder lokal) kleinere Nutzerbefragungen durchzuführen. Dort können uns die Befragten am Schluss in einer offenen Frage ihre persönlichen Rückmeldungen geben. Es gibt unter anderem Lob und Kritik, methodische Fragen und Anmerkungen sowie mögliche Verbesserungsvorschläge. All diese Aussagen werden von smartvote ernst genommen und für die Weiterentwicklung sowie die kontinuierliche Verbesserung verwendet.

Wir wollen Ihnen diese Feedbacks nicht vorenthalten! Hier einige Auszüge:

  • Ich wünschte mir mehr Informationen zur Auswahl der Fragen und der Bewertung der Antworten.
  • Bin positiv überrascht und finde smartvote eine echt gute Sache. Werde es weiter empfehlen. Gratulation zu diesem Wahl-Instrument!
  • Die Zuordnung der Fragen zu den Smartspider-Indikatoren wirkt willkürlich.
  • Ich bin NICHT überzeugt von der Wahlempfehlung. Es sind sehr viele Faktoren, die ausser Acht gelassen werden!
  • Mit Ihrer Aktion manipulieren Sie die freie Meinungsbildung und damit die Demokratie.
  • Super intelligent et aide bien les jeunes a entrer dans notre politique pas toujours facile mais qui nous concerne pourtant tellement! Merci encore!

Wie man sieht, deckt das Feedback das gesamte Meinungsspektrum ab. Die Mehrheit der Rückmeldungen ist dabei positiv, was die Ergebnisse aus den Wählerbefragungen und Studien stützt. Durch die stetige Weiterentwicklung von smartvote sollen die kritisierten Punkte möglichst verbessert, Missverständnisse ausgeräumt und die gelobten Punkte noch stärker ausgebaut werden. Aus diesem Grund ist es für uns wichtig, ständig neues Feedback zu erhalten. Sei das durch E-Mails, auf Facebook oder als Kommentare zu den Blogbeiträgen.

Politik – eine Frage des Geschlechts?

Dieser Blogbeitrag nimmt folgende Frage des smartvote-Fragebogens genauer unter die Lupe:

  • „Würden Sie die Einführung einer Frauenquote in Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmen befürworten?“

Anhand dieser Frage soll untersucht werden, ob Geschlecht und Alter der Kandidierenden eine (mit)entscheidende Rolle bei der Beantwortung spielen oder nicht. Der Einfluss dieser Merkmale wird in diesem Artikel anhand der Nationalratskandidierenden aus den fünf wählerstärksten Parteien der Schweiz (inkl. Jungparteien; Stand 11. Oktober 2011) analysiert.

WOLLEN FRAUEN DIE FRAUENQUOTE?

Bei der Frage nach der Einführung einer Frauenquote liegt die Vermutung nahe, dass Frauen dieses Anliegen eher unterstützen als Männer. Wie man auf der unten stehenden Grafik sieht, ist dies auch in allen Parteien der Fall: Ob linke, rechte oder Mitte-Partei, überall unterstützen die Kandidatinnen die Einführung einer Quote stärker als die Kandidaten. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist bei allen Parteien etwa gleich gross. Hierzu muss noch hinzugefügt werden, dass die Unterschiede zwischen den Parteien insgesamt (Männer und Frauen) bei der Beantwortung der Frage jedoch markant sind.

Zustimmungswerte anhand der fünf untersuchten Parteien. Das Mars-Symbol steht für die Zustimmung der Männer, das Venus-Symbol für die Zustimmung der Frauen. Der farbige Punkt steht  für den Zustimmungswert der gesamten Partei. Der Wert -100 entspricht einem deutlichen „Nein“, der Wert 100 einem deutlichen „Ja“.

Werden Frauen sowie Männer getrennt überparteilich zusammengefasst, resultiert daraus ein interessantes Ergebnis: Könnten nur die Frauen über die gestellte Frage entscheiden, würde die Frauenquote angenommen – wenn auch nur knapp. Wenn hingegen die Männer die alleinige Entscheidungsmacht hätten, hätte die Einführung einer Frauenquote keine Chance.

Das Mars-Symbol steht für die Zustimmung aller Kandidaten (überparteilich), das Venus-Symbol steht für die Zustimmung aller Kandidatinnen (überparteilich). Der gelbe Punkt steht für den durchschnittlichen Zustimmungswert aller Kandidierenden. Der Wert -100 entspricht einem deutlichen „Nein“, der Wert 100 einem deutlichen „Ja“.

WELCHEN EINFLUSS HAT DAS ALTER?

Hat das Alter der Kandidierenden einen Einfluss auf ihre Entscheidungsfindung bei der gestellten Frage? Um dies zu untersuchen, werden die Kandidierenden in drei Gruppen eingeteilt: bis und mit 29 Jahren, von 30 bis und mit 49 Jahren sowie 50 Jahre und älter. Diese Gruppen sind in der nachfolgenden Grafik dargestellt:

Die Kandidierenden einer Altersgruppe sind überparteilich zusammengefasst. Das Mars-Symbol steht für die Zustimmung der Männer, das Venus-Symbol für die Zustimmung der Frauen. Der gelbe Punkt steht für die gesamte Altersgruppe (Männer und Frauen). Der Wert -100 entspricht einem deutlichen „Nein“, der Wert 100 einem deutlichen „Ja“.

Wie aus der Grafik ersichtlich ist, besteht zwischen den jungen und den älteren Kandidierenden kein Unterschied, lediglich bei der mittleren Altersgruppe ist der Zustimmungswert für die Frauenquote leicht tiefer. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist bei allen Altersgruppen beinahe identisch, die Frauen sind jeweils knapp für eine Frauenquote, und die Männer lehnen sie eher ab.

FAZIT

Die smartvote-Analyse lässt einige interessante Schlüsse zu: Die Geschlechtszugehörigkeit kann bei der Beantwortung bestimmter Fragen tatsächlich eine Rolle spielen: Frauen stehen der möglichen Einführung einer Frauenquote in börsenkotierten Unternehmen deutlich positiver gegenüber als die männlichen Kandidierenden. Ob sich ein solcher Effekt auch bei den gewählten Nationalrätinnen zeigen wird, ist damit aber noch nicht gesagt, da gewisse Einflüsse wie zum Beispiel die Fraktionsdisziplin beim Ausfüllen des smartvote-Fragebogens meist noch keine Rolle spielen.

Ein Alterseffekt ist hingegen bei der untersuchten Frage nicht feststellbar – die jüngsten Kandidierenden denken bei dieser Frage annähernd gleich wie ihre älteren Mitstreiter/innen und Konkurrent/innen.
Ob die Kandidierenden Bisherige sind oder nicht, hat auf die Beantwortung der Frage übrigens keinen Einfluss: Der Zustimmungswert beider Gruppen ist praktisch identisch.

Die glp – die liberalen Grünen

Artikel 8 in unserer Parteienporträt-Serie: die Grünliberale Partei (glp).  Anhand von smartvote-Daten stellen wir euch in einer Artikelserie die wichtigsten Schweizer Parteien vor.

Warum die Grünliberalen eher die „liberalen Grünen“ als die „grünen Liberalen“ sind und wie sich ihre politische Einstellung auf das Berufsleben auswirkt, zeigen die nachfolgenden smartvote-Analysen:

DAS SMARTVOTE-PROFIL DER GLP

Bei smartvote sind 241 Kandidierende der glp (inkl. jglp) registriert. 226 (93.8%) davon haben den smartvote-Fragebogen ausgefüllt (Stand 18. Oktober 2011). Daraus ergibt sich folgender Parteienspider:

226 Kandidierende, davon ein Frauenanteil von 29%; das Durchschnittsalter beträgt 37.9 Jahre.

Der glp-Spider zeigt: Die Grünliberalen sind mehr grün als liberal. Die Achse ausgebauter Umweltschutz hat die höchste – die Zustimmung ist vergleichbar hoch wie bei den Grünen (vgl. Blogbeitrag zu den Grünen). Bei den beiden „liberalen“ Achsen stimmt die glp knapp zu. Der Wert bei der liberalen Wirtschaftspolitik ist jedoch um einiges geringer als bei der anderen Partei mit dem Wort liberal im Parteiennamen (vgl. Blogbeitrag zur FDP). Eine ablehnende Haltung zeigen die glp-Kandidierenden bei den Achsen Law & Order, ausgebauter Sozialstaat und restriktive Migrationspolitik.

 

Die glp-Kandidierenden beziehen zu einzelnen Fragen eine sehr geschlossene Stellung. Nur drei Kandidierende lehnen einen Atomausstieg bis 2034 ab, von den 223 übrigen Kandidierenden  stimmen 221 „Ja“ und 2 „eher Ja“. Auch die Verschärfung der Waffengesetze befürworten sie sehr geschlossen. Am deutlichsten abgelehnt werden die Fragen nach der Volkswahl des Bundesrates und der Einführung einer zentralen Mengensteuerung bei der Milchproduktion.

Es gibt jedoch auch Themen, welche die Partei spalten. Bei den Fragen nach der Einführung des Ausländerstimmrechts auf kommunaler Ebene und der Legalisierung von Drogen für den Eigengebrauch sind sich die glp-Kandidierenden überhaupt nicht einig.

DIE GLP STEHT ZU IHRER IDEOLOGIE

Bei den Berufsangaben der glp-Kandidierenden fällt auf, dass man sie grob in zwei Gruppen einteilen kann: Zum einen gibt es die Wirtschaftler (zum Beispiel Unternehmensberater und Studenten der Wirtschaftswissenschaften), zum anderen die Beschäftigten im Bereich der Umwelt (zum Beispiel Umweltkommunikatorin und Biologiestudenten). Viele Grünliberalen sind also auch im Beruf ihren politischen Ideologien treu.

Zusätzliche Informationen gibt es neben www.smartvote.ch auf der Partei-Site www.grunliberale.ch sowie auf dem Parteienkompass www.parteienkompass.ch.

Die EVP – die Pädagogen

Artikel 7 in unserer Parteienporträt-Serie: die Evangelische Volkspartei (EVP). Anhand von smartvote-Daten stellen wir euch in einer Artikelserie die wichtigsten Schweizer Parteien vor.

Warum man die Kandidierenden der Evangelischen Volkspartei als smartvote-Fans bezeichnen kann und für welche berufliche Richtung sie ein besonderes Flair haben, kann hier nachgelesen werden:

DAS SMARTVOTE-PROFIL DER EVP

Die EVP-Kandidierenden sind offensichtlich smartvote-Fans: Gut 97% der 242 bei smartvote registrierten EVP-Kandidierenden haben ihren smartvote-Fragebogen ausgefüllt (Stand 11. Oktober 2011). Dieser Wert ist im Vergleich zu den anderen bisher vorgestellten Parteien weit überdurchschnittlich. Aus diesen ausgefüllten Fragebogen ergibt sich folgender EVP-Spider:

234 Kandidierende, davon ein Frauenanteil von 32%; das Durchschnittsalter beträgt 40.7 Jahre.

Der Parteienspider zeigt, dass sich die EVP vor allem für einen ausgebauten Umweltschutz, offene Aussenpolitik und einen ausgebauten Sozialstaat einsetzt. Am wenigsten Zustimmung findet eine liberale Gesellschaft. Allerdings kann man aus dem Parteienspider ablesen, dass die EVP keinen der dargestellten Themenbereiche entschieden ablehnt.

Bei den einzelnen Antworten zeigen sich die EVP-Kandidierenden teilweise sehr einig. So wird die Frage nach einer Abschaffung der Heiratsstrafe von 233 der 234 Kandidierenden befürwortet („Ja“ und „eher Ja“). Beinahe ebenso deutlich wird die vollständige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten abgelehnt: 226 „Nein“ oder „eher Nein“.

Es gibt allerdings auch Themen, bei denen sich die Partei uneinig ist. Die Fragen, ob ein Mindestlohn eingeführt werden soll oder ob Ausländer/innen auf Gemeindeebene das Stimmrecht erhalten sollen, teilen die Partei in zwei (annähernd gleich grosse) Lager.

DIE PARTEI DER PÄDAGOGEN

Wenn man die Berufsangaben der EVP-Kandidierenden betrachtet, fällt einem eine gewisse Berufsgruppe sofort ins Auge. Ein pädagogischer Beruf im weiteren Sinne wird eindeutig am häufigsten genannt. Von der Kindergartenlehrperson über den Sozialpädagogen bis hin zum Hochschuldozenten ist dabei alles vertreten.

Zusätzliche Informationen gibt es neben www.smartvote.ch auf der Partei-Site www.evppev.ch sowie auf dem Parteienkompass www.parteienkompass.ch.