Der smartvote-Frühling

Draussen herrscht zwar noch Winter, doch auf smartvote.ch ist der Frühlings(-Wahlkampf) bereits im vollen Gange. Dieser hat nun auch den smartvote-Blog aus seinem Winterschlaf geweckt.

Zwischen Genfersee und Bodensee begleitet smartvote diesen Frühling gleich vier kantonale und eine kommunale Wahl:

smartvote begleitet die kantonalen Wahlen im Waadtland, Thurgau, St. Gallen und Uri sowie die kommunalen Wahlen in der Stadt Luzern

 

In St. Gallen, im Waadtland und zum ersten Mal in Uri können Wählerinnen und Wähler sich über die Kandidierenden in ihrem Kanton informieren, sich mit ihnen vergleichen und sich eine Wahlempfehlung ausstellen lassen. In Kürze werden die Wahlen im Kanton Thurgau und in der Stadt Luzern folgen.
Im Zentrum steht wie immer der smartvote-Fragebogen, der für jede einzelne Wahl neu ausgestaltet und mit aktuellen Themen aus dem Kanton zusammengestellt wird.

Zudem werden die Fragen mit ausführlichen Erläuterungen und einer Pro-/Kontra-Zusammenstellung ergänzt. Diese können die Wählerinnen und Wähler über den Info-Button, der sich am Ende jeder Frage befindet, aufrufen:

Beteiligung der Kandidierenden und Anzahl ausgestellter Wahlempfehlungen in St. Gallen am 23. Februar 2012

Wir freuen uns darüber, dass smartvote auch bei diesen Wahlen wieder sowohl bei den Parteien als auch bei den Wählerinnen und Wählern gleichermassen auf grosses Interesse stösst. Dies zeigt sich beispielsweise in der regen Beteiligung der Kandidierenden und Wählenden im Kanton St. Gallen.

 

Kommen Sie vorbei und entdecken Sie die Kandidierenden, die zu Ihnen passen! Wir freuen uns auf Ihren Besuch:
St. Gallen

Uri
Waadtland

smartvote im Unterricht

 

WAS IST SMARTVOTE EDU?

Nein, smartvote edu ist kein smartvote der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) – edu steht für education, setzt den Schwerpunkt also auf die Bildung. Konkret wird dabei die politische Bildung von Jung- und Neuwähler/innen angestrebt. Die Komplexität bei politischen Sachfragen nimmt zu, die Auswahl von Kandidierenden bei Wahlen immer grösser – man droht schnell die Übersicht zu verlieren. Mit smartvote edu wird versucht, seiner Zielgruppe in dieser Situation den Zugang zu politischen Fragen und zur Thematik der Wahlen zu erleichtern.

WIE FUNKTIONIERT SMARTVOTE EDU?

smartvote edu funktioniert grundsätzlich gleich wie smartvote. Um smartvote aber im Bereich der politischen Bildung anwenden zu können, braucht es einige Anpassungen dieses Tools:

Der Fragebogen steht in einer kurzen Version zur Verfügung. Dabei werden mithilfe eines integrierten Glossars die wichtigsten und auch schwierigsten Begriffe kurz und verständlich erläutert.

 

Beispiel für einen Glossar-Begriff, der jeweils in der "Mouse-over"-Funktion erscheint

Weiter ist auf edu.smartvote.ch ein Wahllexikon aufgeführt, welches die einschlägigsten Begriffe rund um die Schweizer Politik und die Wahlen erklärt und somit das Thema Wahlen im Allgemeinen zugänglicher machen soll.

Beispiel eines Begriffs im Wahllexikon

WAS WILL SMARTVOTE EDU?

smartvote edu will, dass junge Menschen sich bewusst werden, dass sie politische Wesen sind. Bei der Beantwortung des Fragebogens setzen sie sich mit verschieden politischen Themen auseinander und beziehen Stellung dazu – sie merken, dass sie eine politische Meinung haben. In der Auseinandersetzung mit ihrer Wahlempfehlung und bei der Bearbeitung der Parteienprofile, die auf smartvote edu zum Download zur Verfügung stehen, können sie zudem herausfinden, wer diese politische Meinung am besten vertritt.

SMARTVOTE IM UNTERRICHT

smartvote edu richtet sich explizit auch an Schulen, wo smartvote edu mit seinen verschiedenen Features im Unterricht eingebaut werden kann. Hierzu steht den Lehrpersonen ein Lernmodul zum Download zur Verfügung – neben den bereits erwähnten ausführlichen Parteiprofilen der acht wichtigsten Schweizer Parteien.

Als kleine Spielerei kann zudem eine Zeichnungsvorlage für den smartspider heruntergeladen werden. Vor der Beantwortung der Fragen kann man zuerst sein vermutetes smartspider-Profil in die leerenVorlage einzeichnen und dieses, nachdem der Fragebogen ausgefüllt worden ist, mit dem tatsächlichen smartspider vergleichen.

Nach der Benutzung von smartvote edu sollen die User folgende Fragen beantworten können:

  1. Was ist meine politische Meinung?
  2. Wer vertritt diese Meinung am besten?

Das Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen. Wie auch bei smartvote selber sind wir daran, das Tool laufend zu verbessern.

Co-Autor: Roger Siegenthaler

smartvote in Zahlen

 

SO PRÄSENTIEREN SICH DIE WAHLEN 2011 BEI SMARTVOTE IN ZAHLEN:

Zwischen Juni und November 2011

  • hatte smartvote insgesamt 700’000 Besucher/innen,
  • wurden 1,2 Millionen Wahlempfehlungen (WE) ausgestellt,
  • wurde smartvote in den Medien mehr als 300-mal erwähnt,
  • war der 17. Oktober Besucher-Spitzentag mit fast 40’000 Besucher/innen,
  • war der 19. Oktober Wahlempfehlungs-Spitzentag mit über 55’000 Wahlempfehlungen.

WE = Wahlempfehlungen

Und so sehen die Zahlen bei smartvote hinter den Kulissen aus:

Für die Zeit von November 2010 bis November 2011 wurden vom smartvote-Team insgesamt 14’000 Arbeitsstunden für das Projekt geleistet.

Dabei hat das smartvote-Team für die nationalen Wahlen

  • rund 3’500 Kandidierende in der Datenbank erfasst und verwaltet,
  • 3’500 E-Mails von Parteien und Kandidierenden bearbeitet,
  • über 1’300 Fragen und Probleme von Wähler/innen beantwortet,
  • über 1’000 Telefonate entgegengenommen,
  • mehr als 600 Grafiken und Analysen für Medienpartner erstellt,
  • fast 400 Stunden zur Erstellung des smartvote-Fragebogens aufgewendet,
  • in rund 1’000 Stunden die Frageerläuterungen geschrieben, übersetzt und bearbeitet.

Wir danken unseren fleissigen Usern und sehen nun nach den intensiven Sommer- und Herbstmonaten einem etwas ruhigeren Winter entgegen. Winterschlaf aber machen wir keinen! Stehen im Frühling 2012 doch die Wahlen in St. Gallen und Thurgau an, die vorbereitet werden wollen.

 

Die Kehrseite des Erfolgs

Das smartvote-Projekt war 2011 so erfolgreich wie noch nie:

Anzahl Wahlempfehlungen für den Nationalrat am 22. Oktober 2011, um 19 Uhr.

Von der APG zur Zusammenarbeit angefragt, war die Webseite smartvote.ch für mehrere Wochen in der ganzen Schweiz auf Plakaten präsent. Insgesamt wurden für die nationalen Wahlen 1,2 Mio. Wahlempfehlungen ausgestellt. Dabei konnten sich die Wähler/innen mit rund 3000 Kandidierenden vergleichen. An einem Spitzentag wurden fast 40’000 Besucher/innen gezählt. Dank einer schweizweiten Abdeckung mit Medienpartnern war die Medienpräsenz durch Zeitungsartikel, Radiobeiträge und Fernsehauftritte enorm hoch.

 

„Blick am Abend“ vom 20. Oktober 2011

Und im „Blick am Abend“ fuhr smartvote 2-mal aufs Google-Podest.

 

 

Gängige Annahme: smartvote verdient sich damit eine goldene Nase.
Mitnichten: Was vor 10 Jahren als Freiwilligenprojekt begann, ist heute als Verein organisiert. Nur dank dem Engagement der Vereinsmitglieder und jährlich mehreren Tausend freiwilligen Arbeitsstunden existiert smartvote.

Doch nun hat das Projekt Ausmasse angenommen, die vom Verein alleine nicht mehr getragen werden können. Die Begleitung möglichst vieler Wahlen und die gleichzeitig hohen eigenen und öffentlichen Erwartungen an die Qualität von smartvote führen zu einem Arbeitsaufwand, der die Grenzen des vorhandenen Freiwilligenengagements sprengt. smartvote droht vom eigenen Erfolg gefressen zu werden.

Dieser Umstand trat kurz vor den nationalen Wahlen für User und smartvote-Mitarbeiter besonders deutlich und ärgerlich zutage: Wegen einer Serverüberlastung mussten Tausende von Usern vorübergehend auf ihre Wahlempfehlung verzichten. Die Infrastruktur des Vereins war diesem Ansturm nicht gewachsen.

smartvote ist ein Online-Tool, welches den Wähler/innen kostenlos zur Verfügung steht. Für viele User ist es selbstverständlich, dass eine Internetseite wie smartvote.ch als Dienstleistung bei jeder grösseren Wahl angeboten wird und reibungslos läuft. Wie viel Arbeit und Aufwand tatsächlich dahinterstecken, bleibt dabei oft verborgen.

WIE WEITER NACH DEN WAHLEN 2011?

In den letzten 2 Jahren hat smartvote sein System komplett überarbeitet. Mit einem Redesign konnte die Plattform programmiertechnisch auf eine solide Basis gestellt werden. Doch es brauchte wesentlich mehr finanzielle und personelle Ressourcen, als überhaupt vorhanden waren. Folge: Viel Geplantes war bei Aufschaltung der Wahl noch nicht bereit und konnte erst nach und nach online gehen, viel Gewünschtes harrt noch der Ausführung. Weitere vielversprechende Projekte des Vereins Politools (z.B. Parlamentsmonitoring, smartvote für Abstimmungen) müssen dabei immer wieder hintantstehen.

2012 wird smartvote mehrere kantonale und kommunale Wahlen begleiten. Für die Zeit danach ist alles offen. Für den Weiterbestand von smartvote wird entscheidend sein, ob es gelingen wird, das Projekt langfristig finanziell abzusichern.

UNTERSTÜTZEN SIE SMARTVOTE!

Wir wollen hier aber nicht nur jammern: Der Erfolg von smartvote ist für die Betreiber enorm positiv und motiviert weiterzumachen. Doch auf Dauer kann smartvote mit seinen semiprofessionellen Strukturen nur schwer weiterbestehen. Zu gross ist die Abhängigkeit vom Engagement einzelner Personen. Professionalisierung ist eine mögliche Stossrichtung, Rückbesinnung auf die Vereinswurzeln eine andere. Wohin die Reise führt, wird sich bald zeigen. In beiden Fällen sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Darum: Dies ist ein ernstgemeinter Aufruf, das Projekt smartvote zu unterstützen. Besuchen Sie unsere Spendenseite! Wir danken Ihnen für Ihre wertvolle Unterstützung!

Eine Bieridee mit Folgen

10 JAHRE SMARTVOTE

smartvote ist auch nach bald zehnjährigem Bestehen die meistgenutzte Wahlhilfe für die Schweiz. Dies dürfte sich auch bei den diesjährigen Wahlen bestätigen.
Wie alles begann…

smartvote war eine Bieridee: Vor rund zehn Jahren diskutierten bei einem Feierabendbier vier Freunde darüber, welche Partei man wählen sollte. Sie waren alle politisch heimatlos und daher auch ratlos. So dachten sie sich, wie praktisch es wäre, wenn man sein eigenes politisches Profil auf einfache Art und Weise mit den Kandidierenden vergleichen könnte. Eine Skizze auf einer Serviette – und die Idee für smartvote war geboren.

Knapp zwei Jahre und unzählige Arbeits- und Programmierstunden später startete 2003 die erste smartvote-Version in die nationalen Wahlen.

So wurde 2003 für smartvote geworben

Zu Beginn wurde smartvote nicht ernst genommen. Politiker und Medien stellten Sinn und Zweck der Wahlhilfe infrage. Auch sonst hatte es die Wahlhilfe nicht leicht: smartvote war ein Feierabendprojekt engagierter Leute, die den Postversand an die Kandidierenden abends zu Hause erledigten. Von Hand klebten sie die Briefmarken im Hitzesommer 2003 auf mehrere Tausend Couverts.

Doch aus der Bieridee wurde Ernst – smartvote hatte Erfolg: Rund die Hälfte der Kandidierenden machten mit, und rund 250’000 Wahlempfehlungen wurden beim ersten Einsatz im Jahr 2003 ausgestellt.

Ursprünglich war ein einmaliger Einsatz geplant, doch das Projekt hatte Potenzial. So wurde 2004 der Verein Politools gegründet (www.politools.net). Seither wird smartvote von diesem betrieben und weiterentwickelt. Nach wie vor ist dabei Freiwilligenarbeit untentbehrlich – mehrere Tausend Arbeitsstunden leisten die Vereinsmitglieder jährlich.
Nicht zuletzt dank diesem grossen Engagement hat sich smartvote etabliert. Die Wahlhilfe gehört heute zum festen Inventar bei jeder grösseren Wahl. Steht der Service einmal nicht zur Verfügung, gehen jeweils zahlreiche enttäuschte Reaktionen aus der Wählerschaft ein.

Bei den Nationalrats- und Ständeratswahlen 2007 haben 85% der Kandidierenden den Fragebogen ausgefüllt, und rund 15% der Wähler/innen haben die Dienste von smartvote in Anspruch genommen. Dabei wurden rund eine Million Wahlempfehlungen ausgestellt.

So sah die smartvote-Seite 2007 bis 2011 aus

Für die nationalen Wahlen 2011 wurde smartvote erneuert. Die Seite präsentiert sich seit dem 4. Juli 2011 in einem neuen Kleid:

So präsentiert sich die neue smartvote-Seite seit dem 4. Juli 2011

Bis zu den Wahlen werden kontinuierlich zusätzliche Funktionen aufgeschaltet. Mehr als 2’500 Kandidierende haben den Fragebogen bereits ausgefüllt, und es werden täglich mehr. Vieles deutet darauf hin, dass es auch bei der Nutzung durch Wähler/innen einen weiteren Zuwachs geben wird: Bereits wurden über 220’000 Wahlempfehlungen ausgestellt – dies sind 20% mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor vier Jahren.

Das Bedürfnis nach einer Online-Wahlhilfe ist offensichtlich vorhanden. Die Zukunft sieht für smartvote vielversprechend aus – doch gesichert ist sie nicht. Das Projekt hat eine kritische Grösse erreicht: Für ein Freiwilligenprojekt ist es zu gross und zu ressourcenintensiv geworden. Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre wird sein, ob es gelingt, für smartvote eine tragfähige Finanzierung über Medien- und universitäre Partner sowie über Spenden und Stiftungen zu finden.