Die Qual der Zahl – wie oft wird smartvote überhaupt benutzt?

Wie viele Wähler/innen benutzen smartvote tatsächlich? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt. Obschon die Frage einfach ist, ist sie nicht einfach zu beantworten. Denn die Benutzung lässt sich unterschiedlich berechnen.

Die einfachste Art und Weise, die Benutzung zu erheben, ist das Zählen der Wahlempfehlungen. Allerdings führt diese Zählweise zu eher fragwürdigen Ergebnissen. Dazu ein Beispiel: Anlässlich der National- und Ständeratswahlen 2011 wurden bei smartvote mehr als 1.2 Millionen Wahlempfehlungen erstellt. Aber bedeutet dies, dass tatsächlich 1.2 Millionen Wähler/innen smartvote benutzt haben? Wohl kaum. Angesichts von nur knapp 2.5 Millionen Wähler/innen, die sich an den Wahlen beteiligt haben, wäre dies eine geradezu phänomenale Benutzungsquote. Doch so phänomenal dies wäre, so unglaubwürdig wäre es auch. Anhand der Anzahl Wahlempfehlungen allein kann also die eingangs gestellte Frage nicht aussagekräftig beantwortet werden.

Am Beispiel der nationalen Wahlen 2011 möchten wir deshalb aufzeigen, wie wir die Benutzerzahlen erheben:

  • Es wurden nur die Wahlempfehlungen im Zeitraum vom 12. September bis zum 23. Oktober 2011 berücksichtigt. In der Periode von Juli bis Anfang September hatten noch zu wenig Kandidierende den smartvote-Fragebogen ausgefüllt, als das eine aussagekräftige Wahlempfehlung erstellt werden konnte.
  • Viele Wähler/innen besuchten die Website mehrmals. Diese Mehrfachbesuche wurden aus der Statistik entfernt.
  • Doch auch bei nur einem Besuch, erstellen sich die Benutzer/innen oft mehr als eine Wahlempfehlung (z.B. eine ernsthafte für den eigenen Wahlkreis und weitere aus Neugier für andere Wahlkreise). Daher wird nur eine Wahlempfehlung pro Besucher/in berücksichtigt.

RASANTES WACHSTUM 2003 BIS 2011

Auf diese Weise haben wir die Benutzung von smartvote für die National- und Ständeratswahlen von 2003 bis 2011 berechnet. So kamen wir für 2011 auf 437’000 Benutzer/innen – dreimal weniger als Wahlempfehlungen ausgestellt wurden.

Die Grafik zeigt nicht nur den grossen Unterschied zwischen der Anzahl Wahlempfehlungen und der Anzahl Benutzer/innen, sondern insbesondere auch das rasante Wachstum in der Benutzung von smartvote. Haben 2003 rund 92’000 Wähler/innen smartvote vor den Wahlen konsultiert, so waren es 2007 bereits 350’000. Von 2007 auf 2011 konnte die Benutzung nochmals um 25% gesteigert werden. Der Anteil von smartvote-Nutzer/innen an der wählenden Bevölkerung lag somit bei rund 18%. Für die Jahre 2007 und 2011 können wir unsere Ergebnisse mit Berechnungen anhand der Daten der repräsentativen Wahlstudie Selects vergleichen. Auf der Basis des Datenmaterials von Selects erhalten wir eine etwas tiefere Benutzungsquote von 14 bis 16%. Beide Berechungsmethoden kommen also zu vergleichbaren Resultaten.

UNTERSCHIEDLICHE INTENSITÄT DER BENUTZUNG IN DEN KANTONEN

Nicht überall in der Schweiz wird smartvote gleich intensiv genutzt. Vergleicht man die Intensität der Benutzung zwischen den einzelnen Kantonen fallen die Resultate sehr unterschiedlich aus. Die Bandbreite reicht von 24.5% der wählenden Bevölkerung im Kanton Zürich hinunter zu 0.6% im Kanton Obwalden.

Grundsätzlich lassen sich aus dieser Grafik zwei Tendenzen erkennen:

  • Zum einen wird smartvote in grossen Kantonen überdurchschnittlich intensiv genutzt. Der Kanton Appenzell-Innerrhoden ist diesbezüglich wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Dies ist nicht weiter erstaunlich: In grossen Kantonen gibt es mehr zu besetzende Sitze, und es gibt auch mehr Parteien und Kandidierende. Entsprechend schwieriger ist es für die Wähler/innen, sich einen Überblick zu verschaffen. Der Nutzen von smartvote scheint in den grossen Kantonen grösser zu sein.
  • Zum anderen ist die Benutzung in der Westschweiz und im Tessin deutlich tiefer als in der Deutschschweiz. Woran dies liegt, lässt sich kaum abschätzen. Die Beteiligung der Kandidierenden in der Westschweiz war ebenfalls hoch, und smartvote verfügte über zahlreiche Medienpartner ausserhalb der Deutschschweiz. Die Rahmenbedingungen waren also vergleichbar. Möglich wäre aber, dass Online-Wahlhilfen in der Westschweiz und im Tessin deutlich kritischer betrachtet werden.

ANGEBRACHTE ZURÜCKHALTUNG

Wie aus diesem Blogartikel ersichtlich wird, muss man bei der Bestimmung der Benutzung von Online-Wahlhilfen vorsichtig sein. Wir bei smartvote haben uns für eine eher restriktive Methode entschieden und haben diese nun an dieser Stelle transparent gemacht. Für Vorschläge, wie man es besser machen könnte, sind wir natürlich immer offen und dankbar.

2 Gedanken zu “Die Qual der Zahl – wie oft wird smartvote überhaupt benutzt?

  1. Dass der Kanton AI bezüglich Intensität der smartvote-Benutzung so sehr aus der Rolle fällt, liegt vielleicht an einer kantonalen Eigenheit. So ist der Website des Kantons AI zu entnehmen:

    “Das Geschäftsreglement des Grossen Rates sieht die Bildung von Fraktionen nicht vor, weshalb die Mitglieder des Grossen Rates im Staatskalender ohne Hinweis auf ihre allfällige Parteizugehörigkeit aufgeführt sind. Dies erklärt auch, weshalb es schwierig ist, zuverlässige Angaben über die parteipolitische Zusammensetzung der Legislative zu machen.”

    Wenn also der Kanton schon nicht weiss, in welche “Schublade” er die Gewählten tun muss, dann werden das die Wählenden bezüglich Kandidierenden noch weniger gut wissen, ergo besteht vermutlich ein grössere Bedürfnis danach, wer mit der eigenen Position am ehesten übereinstimmt.

    • Lieber Titus
      Vielen Dank für diesen spannenden und aufschlussreichen Input! Es lohnt sich, den Eigenheiten der Kantone näher auf den Grund zu gehen.

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