Ein #ff für Berner KMU

Will man jemandem auf Twitter ein Kränzchen winden, nutzt man den #ff-Hashtag und gibt damit bekannt, dass ein Besuch beim so bezeichneten User lohnenswert wäre. An dieser Stelle möchten wir ein #ff dem Gewerbeverband Berner KMU widmen.

Eine Wahlplattform für Berner KMU entsteht

Im Hinblick auf die Nationalratswahlen 2011 hatte smartvote für Berner KMU eine Wahlplattform erarbeitet. Grund dafür war, dass die Verbandsleitung nicht mehr hinter verschlossenen Türen diskutieren wollte, welche Kandidierende sie im Wahlkampf unterstützt. Sie wollte den Entscheidungsprozess öffentlich und transparent gestalten. Dafür wurde ein smartvote-System entwickelt, das dem Verband erlauben sollte, die Kandidierenden zu finden, die der politischen Ausrichtung des Verbands am besten entsprechen:

  • Es wird ein KMU-spezifischer Fragebogen entwickelt. D.h. er fragt diejenigen politischen Themen ab, welche die KMU-Interessen direkt betreffen.
  • Die kandidierenden Verbandsmitglieder werden aufgefordert, den Fragebogen zu beantworten.
  • Analog zu smartvote wird auf der Basis dieser Antworten eine Liste erstellt, die aufzeigt, wie KMU-freundlich die einzelnen Kandidierenden sind.
  • Auf einer Website (www.wählt-kmu.ch) veröffentlicht der Verband dieses Matching und entsprechend seine Wahlempfehlung.

Wie 2011 wurde diese Plattform auch für die Berner Grossratswahlen vom 30. März 2014 umgesetzt.

Uns sind nur wenige Verbände bekannt, die ihre Wahlempfehlung auf so transparente Art und Weise erstellen und veröffentlichen. Doch der Weg dahin war nicht immer einfach. Während des Projektes konnten wir miterleben, welche Herausforderungen auf einen Verband zukommen können, wenn er sich zu einem solchen Verfahren entschliesst.

Einige Herausforderungen

Zunächst ist die Entwicklung eines ausgewogenen Fragebogens, der die KMU-relevanten Themen berücksichtigt, schwieriger als gemeinhin angenommen wird. Und für die Verbandsleitung ist es eine Herausforderung, den „eigenen“ Fragebogen zu beantworten. Zum einen, weil es längst nicht bei allen Fragen einen glasklaren verbandsinternen Konsens gibt. Da der Verband verschiedenste Branchen und Interessen in sich vereinigt, kann dieses Problem nicht ganz überraschen. Zum anderen, weil man sich durch die Beantwortung des Fragebogens auch als Verband selbst exponiert und allenfalls unnötigerweise Kritik an seinen Positionen heraufbeschwört.

Weiterer Diskussionsbedarf ergab sich aus den Fragen, die sich auch bei smartvote stellen: Soll sich der Verband wirklich bei der Auswahl der zu empfehlenden Kandidierenden strikt an das erstellte „KMU-Freundlichkeits-Rating“ halten? Was wenn Kandidierende, denen man kaum Wahlchancen zubilligt, auf den ersten Plätzen erscheinen? Was wenn ein langjähriges und z.B. stark in der Lehrlings- und Weiterbildungsförderung engagiertes Verbandsmitglied im Rating knapp von einem Kandidaten geschlagen wird, der sich kaum im Verband engagiert? Was wenn völlig unerfahrene Kandidaten im Rating obenauf schwingen?

In diesen durchaus berechtigten Fragen spiegelt sich der Konflikt zwischen dem „objektiven“, auf einem transparenten Algorithmus basierenden, Rating und den zahlreichen „weichen“ Entscheidungsfaktoren wider. Für die Wahlen 2011 kamen wir in Diskussionen mit der Verbandsleitung zum Schluss, eine 2-stufige Wahlempfehlung zu erstellen. In einem ersten Schritt wurde das Rating berechnet, und wer wollte, konnte danach auf der Website noch eine Reihe von weiteren Faktoren wie z.B. die Wahlchancen eines Kandidierenden berücksichtigen. Dies führte allerdings zu einigen negativen Rückmeldungen (z.B. darüber wie diese Faktoren bestimmt wurden oder auch, dass auf diese Weise das Rating verwässert würde). Daher wurde für die Grossratswahlen 2014 im öffentlich zugänglichen Online-Tool auf die weichen Faktoren verzichtet. Die für die Erstellung der Wahlempfehlung in den neun Wahlkreisen zuständigen Sektionen (Landesteilverbände) gewichteten diese Erfahrungen unterschiedlich: Einige beriefen sich dabei allein auf das Resultat des Ratings, andere ergänzten dieses nach wie vor mit weichen Faktoren (z.B. Verdienste gegenüber dem Verband, Wahlchancen).

Gerade wegen der intensiven internen Diskussionen und des Umstands, dass der Verband trotz geäusserter Kritik bei seiner transparenten Art der Wahlempfehlung geblieben ist, vergeben wir gerne ein #ff. Denn ist es nicht selbstverständlich, dass sich ein Verband, ohne dazu aufgefordert oder gezwungen zu sein, zu einem solchen Schritt entschliesst. Einen „Schuss mehr Berner KMU“ könnten einige Interessengruppen gut verkraften.

Link: www.wählt-kmu.ch

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