Obama-Kampagne 2012: Viel Aufwand, wenig Ertrag?

Im Herbst 2012 haben die amerikanischen Wahlen wieder einmal neue Massstäbe gesetzt: Zum einen waren es die teuersten Wahlen in der Geschichte der USA. Gemäss dem Center for Responsive Politics wurden mehr als 6.2 Milliarden US-Dollar ausgebeben, und allein der Präsidentschaftswahlkampf hat mehr als 2.6 Milliarden US-Dollar gekostet. Zum anderen wurde vor allem die Obama-Kampagne thematisiert. Nicht zuletzt wurde deren Erfolg auf den massiven Einsatz von Social Media und neuen technischen Hilfsmitteln wie dem Projekt „Narwhal“ – einer Datenbank mit detaillierten Informationen zu 250 Millionen Wähler/-innen – zurückgeführt. SoMePolis bietet einen guten Einstieg in das Data-Mining und Micro-Targeting der Obama-Kampagne.

Der Monkey Cage – ein politikwissenschaftlicher Blog – geht nun der Frage nach, ob sich die ganze Aufregung um die angeblich so effektive Obama-Kampagne wirklich gelohnt hat, und kommt mitunter zu überraschenden Ergebnissen:

  • What If the Obama Campaign Didn’t Win Him the Election? John Sides bezweifelt zwar nicht, dass die Obama-Kampagne gut geplant und durchgeführt worden ist, jedoch findet er keine Hinweise darauf, dass die Kampagne besser als diejenige von Romney war. In den „Battleground-States“, auf die sich die Kampagne konzentriert hat, hat Obama nur unwesentlich besser abgeschnitten als in Staaten, in denen die Kampagne kaum oder gar nicht aktiv war.
  • Who Won the Ad War? Michael Franz analysiert den Effekt von mehr als 1.1 Millionen Inseraten und Werbespots und findet einen weniger starken Effekt der Werbespots auf die Wahlergebnisse als noch in den Wahlen von 2008 und 2004. Allerdings wird man in Zukunft vermehrt die Auswirkungen von externen Kampagnen (Kampagnen der so genannten Super PACs), die nicht der direkten Kontrolle der Kandidierenden unterstehen, berücksichtigen müssen.
  • Obama’s Voter Mobilization Was Barely More Effective than Romney’s Im Gegensatz zur Mehrheit der Experten und politischen Beobachter kommen Ryan Enos und Anthony Fowler zum Schluss, dass die Obama-Kampagne zwar sehr effektiv darin war, das eigene Wählerpotenzial für die Wahlteilnahme zu mobilisieren, dass sie dabei aber trotz des immensen Aufwandes kaum besser abschnitt als die Romney-Kampagne. Der Unterschied in den Mobilisierungseffekten zwischen den beiden Kampagnen betrug lediglich 1.6 Prozentpunkte.
  • How Much Did the 2012 Air War and Ground Game Matter? In einem abschliessenden Beitrag stellen Lynn Vavreck und John Sides die Vermutung auf, dass sich die beiden Wahlkampagnen 2012 nahezu neutralisiert haben. Den klaren Sieg Obamas führen sie weniger auf die Kampagne, sondern auf die, zwar langsam und stockend verlaufende, wirtschaftliche Erholung zurück, die jedoch ausgereicht hat, Obama als amtierendem Präsidenten einen entscheidenden Vorsprung zu verschaffen.

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