Müller und Freitag: Die Favoriten fürs FDP-Präsidium

Momentan läuft das Auswahlverfahren des neuen FDP-Präsidenten: Philipp Müller, Aargauer Nationalrat, und Pankraz Freitag, Glarner Ständerat, sind die beiden Kronfavoriten.

Wie sieht das politische Profil der beiden Parlamentarier aus? Wir haben euch ihre smartvote-Profile aus den National- und Ständeratswahlen 2011 rausgesucht:

Philipp Müller, FDP Aargau

Die beiden smartspider zeigen keine markanten Unterschiede. Dies zeigt sich auch, wenn die beiden Fragebogen miteinander verglichen werden.

Es gibt jedoch Fragen, wo sie sich klar voneinander abgrenzen und die sich auch bei der Positionierung im smartspider bemerkbar machen.

In Fragen zur Zukunft der Atomenergie stellt sich Freitag eher gegen den Beschluss des Bundesrates, aus der Atomenergie auszusteigen, Müller ist eher dafür.

Pankraz Freitag, FDP Glarus

In familiären Fragen, so bei der finanziellen Unterstützung der Fremdbetreuung von Kindern und dem Ausbau staatlicher Unterstützungsleistungen für Familien mit tiefem Einkommen, ist Freitag positiv, Müller hingegen negativ eingestellt.

Die aktivere und öffentlichere Aussenpolitik der Schweiz wird von Freitag eher begrüsst, von Müller klar abgelehnt.

 

 

So ist die Achse der „Offenen Aussenpolitik“ und des „Ausgebauten Sozialstaats“ bei Freitag mehr, die Achse „Ausgebauter Umweltschutz“ hingegen weniger ausgeprägt als bei Müller.

Wir sind gespannt, wer das Rennen fürs Präsidium machen wird. Wir wissen es am
21. April, dann entscheiden die Delegierten.

Politik im Spinnennetz – was bleibt hängen?

Lange war Kritik an smartvote eine Seltenheit. Mit zunehmender Bedeutung der Plattform nimmt aber auch die Kritik daran zu. Oft ist der Schuldige schnell ausgemacht: der smartspider – Erkennungsmerkmal und Angriffspunkt von smartvote zugleich. Um die „Spinne“ herum kursieren viele Mythen und Missverständnisse. Höchste Zeit, mit diesen aufzuräumen:


1 SMARTSPIDER = 8 RATINGS

„Sie können bei jeder zugeordneten Frage anderer Meinung sein, aber den gleichen Wert erzielen.“ Der Satz stammt vom Autor dieses Beitrags und erschien kürzlich in einem „Weltwoche“-Artikel mit dem vielsagenden Titel „Grossmaschige Netze“ (online nicht verfügbar, 15. September 2011).

Das Zitat ist inhaltlich korrekt: Der smartspider ist im Prinzip nichts anderes als 8 einzelne Ratings, die in einem Netzdiagramm zusammengefasst werden. Was vom „Weltwoche“-Autor aber unerwähnt blieb: Sobald man ein Rating über mehrere Fragen erstellt, nimmt man einen Informationsverlust in Kauf. Dies gilt für den smartspider genauso wie für jedes Gemeinde-, KMU- oder Zahnpasta-Rating. Das Gesamtbild sieht nur, wer in die Grunddaten blickt. Im Gegensatz zu anderen Ratings ist dies bei smartvote möglich.

SMARTSPIDER IST NICHT GLEICH WAHLEMPFEHLUNG

Häufiger Irrtum: smartspider ist gleich Wahlempfehlung. Stimmt nicht! Was hingegen stimmt: Wahlempfehlung und smartspider werden auf der Grundlage der Antworten auf den Fragebogen berechnet. Hier der entscheidende Unterschied:

  • In die Berechnung der Wahlempfehlung fliessen alle Antworten einzeln und ohne Wertung unsererseits ein. Sie ist das präzise Messinstrument für (sach-)politische Nähe. (1)
  • Für die Berechnung des smartspiders werden hingegen nicht alle Fragen berücksichtigt, da sich einzelne Fragen schlicht keiner der 8 thematischen Achsen zuordnen lassen (2). So kann es vorkommen, dass der smartspider des Viertplatzierten auf der Wahlempfehlung dem eigenen smartspider stärker gleicht als derjenige des Erstplatzierten. Dieser Umstand zeigt die Grenzen des smartspiders auf: Er zeigt zwar gut auf, wie jemand politisch grundsätzlich tickt, überdeckt aber gleichzeitig die Positionierung in konkreten Sachfragen.

KEINE EXAKTE WISSENSCHAFT, ABER TRANSPARENTE METHODE

Der smartspider ist keine exakte Wissenschaft – falls es denn diese überhaupt gibt. Zunächst basiert die Grafik auf einem Fragebogen, den wir zusammengestellt haben. Hinzu kommt die (subjektive) Zuordnung der einzelnen Fragen zu den Achsen des smartspiders durch smartvote selbst. Wie begegnen wir diesen Umständen?

  • Erstens sind wir offen für konstruktive Kritik und Anregungen und versuchen den Fragebogen sowie die Zuordnung der Fragen ständig zu optimieren. Die Qualität des Fragebogens wird denn auch kaum bemängelt.
  • Zweitens legen wir die Berechnungsmethoden transparent offen (3). Entgegen einigen Verlautbarungen in verschiedenen Medien ist dies bei smartvote seit 2003 der Fall. Auf der alten Website musste man zwar etwas suchen, bis man fündig wurde – aber es war kein aussichtsloses Unterfangen. Dies zeigt sich auch am Umstand, dass einige Kandidierende und Parteien das „Spidertuning“ schon lange betreiben.

ABSCHAFFEN ODER VERBESSERN?

Der smartspider ist also weniger präzis als die Wahlempfehlung. Probleme und Auseinandersetzungen mit Medien, Kandidierenden und Parteien sind die Folge – „Abschaffen“ wäre die logische Konsequenz.

Wenn da nicht die grosse Popularität dieser Grafik wäre:

  • 95% der Grafiken, die wir an Medien liefern, sind smartspider.
  • User wünschen sich am häufigsten, ihren eigenen smartspider anschauen, drucken und versenden zu können.
  • Andere Wahlhilfen kopieren die Darstellungsform.
  • Kandidaten und Parteien betreiben Wahlkampf mit ihrem smartspider.

Trotz allem scheint der smartspider doch „richtig“ und wichtig zu sein. Und er gehört zu smartvote einfach dazu. Wir werden also daran festhalten und ihn weiter zu verbessern versuchen. Lob und Kritik, wenn sie konstruktiv sind, schaffen die besten Voraussetzungen dafür.

(1) http://www.smartvote.ch/downloads/methodology_recommendation_de_CH.pdf
(2) http://www.smartvote.ch/downloads/elections/11_ch_nr/effects_smartspider_de_CH.pdf
(3) http://www.smartvote.ch/downloads/methodology_smartspider_de_CH.pdf