Seit dem Jahr 2018 besteht neben der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Public Management (KPM) der Uni Bern auch eine Kooperation mit dem Departement Wirtschaft der Berner Fachhochschule BFH. Dadurch ist die Online-Wahlhilfe smartvote noch besser in der Forschungslandschaft verankert.

Die Kooperation mit der Uni Bern begann bereits 2005 mit der Teilnahme am Nationalen Forschungsschwerpunkt «Demokratie» des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). In den letzten Jahren resultierten zusätzlich zwei weitere erfolgreiche Projektanträge beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF).[1]

Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit der BFH ist demgegenüber stärker anwendungsorientiert und beinhaltet u.a. die Unterstützung der praxisorientierten Forschung – beispielsweise im Rahmen von Bachelor- oder Master-Arbeiten – sowie die produktive Nutzung von daraus entstandenen Erkenntnissen für die Weiterentwicklung des smartvote-Projekts.

Abbildung 1: Die neuen, automatisiert generierten Schlussberichte enthalten z.B. die Antwortverteilungen zu jeder smartvote-Frage

In der relativ kurzen Zeit seit Beginn der Kooperation sind bereits zwei solche Arbeiten entstanden, die beide konkrete Auswirkungen auf die Online-Wahlhilfe smartvote hatten. Bei der ersten Arbeit handelt es sich um die Master-Thesis «Evaluationen der Usability und User Experience der neuen smartvote Plattform» von Pascal Müller, die für die Neuentwicklung der smartvote-Website 2019 wichtige Hinweise zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit liefern konnte.

Bachelor-Thesis: Evaluation einer automatisierten Berichterstellung

Ein weiteres Beispiel stellt die Bachelor-Thesis von Tim Wackernagel dar, die unter dem Titel «Evaluation einer automatischen Berichterstellung mit integrierter Datenvisualisierung zur Auswertung politischer Daten» kürzlich erschienen ist und von der BFH Wirtschaft als herausragende Arbeit prämiert wurde.

Die Arbeit verfolgte drei Zielsetzungen:

  1. Entwicklung einer durch Automatisierung und Parametrisierung effizienteren und weniger fehleranfälligen Berichterstellungslösung zur Fertigung politischer Berichte.
  2. Prüfung der Möglichkeit einer neuen Art des Informationsangebots durch eine automatisierte Berichterstellung.
  3. Erstellung einer Berichtversion auf Basis von neuen Mitteln der Datenvisualisierung in der Programmiersprache R und deren vergleichende Prüfung durch PolitikexpertInnen.

Enge Zusammenarbeit mit dem smartvote-Projekt

Um diese Ziele zu erreichen, wurden zusammen mit dem Auftraggeber (d.h. den Verantwortlichen des smartvote-Projekts) in iterativen Schritten die Anforderungen an Berichte mit Auswertungen politischer Daten und die dazu gehörende technische Lösung erarbeitet. Ergänzt wurden diese Erkenntnisse durch die theoretische Abhandlung der Themengebiete der Datenvisualisierung und der automatisierten Berichterstellung. Das praktische Ergebnis dieser Arbeit wurde auf Basis der Programmiersprache R in Kombination mit einer Auszeichnungssprache basierend auf Markdown entwickelt und die Resultate des Entwicklungsprozesses in Form der automatisierten und parametrisierten Lösung zur Berichterstellung anschliessend durch den Auftraggeber beurteilt.

Das Ergebnis der praktischen Arbeit ist eine funktionsfähige und zur automatisierten Erstellung von Wahlberichten in R einsetzbare technische Lösung. Diese erlaubt es, Wahlberichte mit geringem manuellem Aufwand in den Formaten HTML und PDF zu generieren und von den Mehrwerten einer automatisierten Berichterstellung zu profitieren. Weiter unterstützt die Lösung den Berichterstellungsprozess in Bezug auf wissenschaftliche Ansprüche wie Transparenz, Reproduzierbarkeit und Wiederholbarkeit.

Weiterentwicklung für den produktiven Einsatz

Tim Wackernagel hat nach seinem Bachelor-Abschluss an der BFH im Auftrag des smartvote-Projekts die gewonnenen Erkenntnisse überarbeitet und an die zusätzlichen Wünsche und Anforderungen von smartvote angepasst. Seit Herbst 2020 wird der Code produktiv eingesetzt (vgl. Beispiel eines «neuen» smartvote-Schlussberichts für auftraggebende Städte).

[1] «Digitalization and Electoral Decision-Making: The Impact of Voting Advice Applications on Electoral Choices, Polarization and the Quality of Representation» im Rahmen des SNF-Programms «Digital Lives» (2018-2020) sowie «Online News Exposure: A Threat to Democracy? How Digital Transformation Affects Opinion Formation, Political Polarization and Trust» im Rahmen des NFP 77 «Digitale Transformation» (2020-2024).