Cléa Fierz

Über Cléa Fierz

Cléa Fierz (1982) studierte Geschichte an der Universität Freiburg i.Ue. Seit September 2010 ist sie Projektmitarbeiterin bei Politools in den Bereichen smartvote, smartvote edu und Fundraising.

Bequem ist anders – über die User/innen von smartvote

smartvote sieht sich wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, dass es seine Benutzer/innen nicht zu einem gut überlegten, also “smarten”, Wählen verhelfe. Vielmehr verleite smartvote zu einer übereilten und nicht durchdachten Wahlentscheidung – quasi zu einem “instant-voting”. Was ist an diesem Vorwurf dran?

Gerade im Vorfeld der Wahlen 2011 brachte es die wachsende Anzahl Benutzer/innen mit sich, dass auch die Zahl der Kritiker/innen zunahm. Eine gute Übersicht zur geäusserten Kritik bieten die Disskussionen zum Thema smartvote bei Politnetz:

  • smartvote fördere ein einseitiges Links-rechts-Denken.
  • smartvote bilde nur die Oberfläche ab und ignoriere die Mechanismen der Meinungsbildung und Kompromissfindung.
  • Die Gründe, warum eine Partei oder ein Kandidat eine bestimmte Position einnehme, würden nicht genügend berücksichtigt. Dies verstärke das sture Festhalten an Positionen.
  • Der Dialog zwischen den Kandidierenden und den Wähler/innen sowie unter den Wähler/innen selbst komme viel zu kurz.
  • smartvote müsse die Grenzen seines Vermessungsanspruchs aufzeigen, es sei ja schliesslich keine Religion. smartvote sei höchstens ein dekoratives Element bei der Wahlentscheidung.

Kern der Kritik an smartvote

Der Begriff des “Instant-votings” trifft den Kern dieser Kritik ziemlich genau: Es wird befürchtet, dass smartvote-Benutzer/innen zu bequem seien, sich bei einer Wahl ernsthaft und intensiv mit den Sachthemen und den Positionen der Parteien auseinanderzusetzen. Stattdessen würden sie rasch einen Fragebogen ausfüllen und ihre Wahlentscheidung an einen mathematischen Algorithmus delegieren. Statt sich mühsam durch Wahlunterlagen zu quälen, vertrauten sie lieber blindlings einem Computer.

smartvote-User/innen werden unterschätzt

Diese Kritik läuft jedoch klar ins Leere und hält einer vertieften Betrachtung nicht stand. Anlässlich der Wahlen 2011 haben mehr als 20’000 Benutzer/innen an einer wissenschaftlichen Umfrage zur Benutzung von smartvote teilgenommen. Sieht man sich die Ergebnisse dieser Umfrage an, so wird ersichtlich, dass die oben beschriebene Sicht auf die smartvote-User/innen grundlegend falsch ist.

Tabelle 1: Wie wurde die smartvote-Wahlempfehlung zur Entscheidungsfindung genutzt?

Die Resultate in Tabelle 1 entkräften die Kritik von blindlings wählenden smartvote-User/innen deutlich. Auf der Grundlage ihrer Wahlempfehlung haben über die Hälfte der Benutzer/innen mit anderen Wähler/innen über politische Themen und Kandidierende diskutiert, haben sich daraufhin über weitere Kanäle zu den Kandidierenden informiert, und sie setzten sich auch mit neuen politischen Sachthemen auseinander. smartvote fördert demnach interessierte und differenziert wählende Stimmbürger/innen und mitnichten faule Wähler/innen, die sich nicht mit Parteien und ihren politischen Positionen auseinandersetzen wollten.

Tabelle 2: Welchen Effekt hatte die smartvote-Wahlempfehlung auf den Wahlentscheid?

Tabelle 2 verdeutlicht, dass die smartvote-Benutzer/innen keineswegs ihre Wahlempfehlung 1:1 übernehmen! Sie benutzen sie als Entscheidungsgrundlage, um nach Hinzuziehen weiterer Kriterien und Informationen ihre Wahl zu treffen und dabei gezielt Kandidierende zu panaschieren, kumulieren oder zu streichen. Dieser Punkt freut uns besonders, da wir genau diese Art von Benutzung unserer Wahlhilfe wünschen. Es war und ist nie unser Ziel, dass die smartvote-Wahlempfehlung unreflektiert auf den Wahlzettel übertragen wird.

smartvote-User/innen alles andere als “bequem”

Nicht nur die Ergebnisse der beiden Tabellen widersprechen der Kritik des zu bequemen smartvote-Users. Diesem Bild des “Instant”-Wählers widerspricht allein schon der smartvote-Fragebogen: Dieser beinhaltete 2011 75 Fragen zu komplexen und komplizierten politischen Themen. Das smartvote-Team hatte dazu ausführliche Erläuterungen verfasst, die von zahlreichen Benutzer/innen geschätzt und gelesen wurden. Das Beantworten des smartvote-Fragebogens ist alles andere als bequem…

Die neuen Parlamentarierinnen und ihre Vorgänger

Vier neue Nationalrätinnen hatten heute ihren ersten Tag im Parlament. Wo stehen sie im Vergleich zu ihren Vorgänger/innen? Wir haben die Nationalratsfragebogen von 2011 aller acht Politiker/innen unter die Lupe genommen und dabei die Nachfolgerin jeweils mit ihrer Vorgängerin bzw. ihrem Vorgänger verglichen.

Masshardt vs. Wyss – die politischen Zwillinge

Der smartspider von Nadine Masshardt ist praktisch mit demjenigen von Ursula Wyss identisch. Die beiden SP-Parlamentarierinnen vertreten dieselbe Sachpolitik – bei keiner der 75 Fragen des smartvote-Fragebogens sind sie sich uneinig. So weichen sie gerade nur bei 8 Fragen mit einem “Eher Ja” statt “Ja” bzw. “Eher Nein” statt “Nein” voneinander ab. Betrachtet man also nur den smartvote-Fragebogen, so kann man Masshardt als die “neue Wyss” im Parlament bezeichnen.

Friedl vs. Fässler – die politischen Schwestern

Auch Claudia Friedl antwortete sehr ähnlich wie Hildegard Fässler. Jedoch treten die kleinen Differenzen bei den Antworten etwas häufiger auf als bei Masshardt/Wyss. Der smartspider zeigt denn auch leicht unterschiedliche Haltungen auf – so sind sich die beiden St. Galler Sozialdemokratinnen in ein paar wenigen Fragen uneinig: Fässler sagte “Ja” zum Agrarfreihandelsabkommen mit der EU, Friedl hingegen vertritt die Position “Eher Nein” – beim Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken auf Kosten des Landschaftsschutzes sagte Fässler “Eher Ja”, Friedl ist mit “Nein” gegen eine Lockerung des Landschaftsschutzes. Friedl und Fässler sind zwar nicht gerade politische Zwillinge, aber bestimmt politische Schwestern.

Trede vs. Teuscher – mehr aussenpolitische Öffnung

Auch bei den beiden Grünen sind, betrachtet man die smartspider, keine entgegengesetzten Positionen zu erwarten. Was auffällt, ist die grössere Zustimmung von Aline Trede gegenüber einer aussenpolitischen Öffnung. So ist sie eher für einen EU-Beitritt, Teuscher hingegen sagte klar “Nein”. Und Trede ist eher für bewaffnete, friedenserhaltende Einsätze der Schweizer Armee im Ausland, Teuscher nicht.

Herzog vs. Spuhler – die Gegensätzlichen

Wie der smartspider-Vergleich bereits grafisch verdeutlicht, vertritt Verena Herzog in vielen Fragen eine gegenteilige Meinung zu ihrem SVP-Vorgänger Peter Spuhler. Sie hebt sich von allen vier Neuen am deutlichsten von ihrem Vorgänger ab.

So ist Verena Herzog u.a. für einen erschwerten Zugang zur erleichterten Einbürgerung, Spuhler lehnte dies ab. Ebenso sagt sie “Ja” zur Ecopop-Initiative, welche das Bevölkerungswachstum begrenzen möchte, Spuhler hingegen sagte “Nein”.

Weiter lehnt Herzog im Gegensatz zu Spuhler das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU ab, ist gegenüber Managed Care negativ eingestellt und ist für eine Regulierung systemrelevanter Grossbanken.

Die grossen sachpolitischen Unterschiede zwischen Nachfolgerin und Vorgänger überrascht in dem Sinne nicht, als dass Peter Spuhler immer wieder mal andere Positionen als die SVP vertrat, Herzog hingegen eher im Durchschnitt der Partei liegt.

Wer wen bezahlt in der US-Politik – MapLight zeigt’s

Seit Langem wird in der Schweiz über die Offenlegung der Parteifinanzen diskutiert: um Transparenz in Abstimmungs- und Wahlkämpfen herzustellen, aber auch um mögliche Abhängigkeiten im parlamentarischen Gesetzgebungsprozess sichtbar zu machen. Die Ankündigung der Credit Suisse, künftig alle nationalen Parteien, auch linke und grüne, offen und transparent unterstützen zu wollen, hat die Debatte nochmals angeheizt.

Eine US-amerikanische Website offenbart seit einigen Jahren die Einflussnahme von Geld auf die Politik: MapLight.org ist eine öffentliche Datenbank, bei der die folgenden Punkte im Zentrum stehen:

  • Spenden: MapLight zeigt auf, wie viele Geldzuwendungen die US-Kongress-Abgeordneten von welchen Spendern über die Jahre erhalten.
  • Abstimmungen: Es wird vollständig aufgelistet, wie die Abgeordneten über die Gesetze abstimmen.
  • Befürwortung/Ablehnung: MapLight recherchiert, welche Interessengruppen und Firmen für oder gegen Schlüsselgesetze sind.

In einem kurzen und anschaulichen Video zeigen die Betreiber, wie die Website funktioniert:

Mit grösster Genauigkeit wird also dokumentiert, welche Interessengruppen und Firmen welchen Abgeordneten wie viel Geld zukommen lassen, um sie für oder gegen ein Gesetz zu beeinflussen.

Die Website ist übrigens auch für Schweizer/innen nicht ganz untinteressant, kann man dort ja auch Schweizer Firmen, die in den USA tätig sind, beobachten. So zum Beispiel, wem die Credit Suisse Geld zukommen lässt…

Müller und Freitag: Die Favoriten fürs FDP-Präsidium

Momentan läuft das Auswahlverfahren des neuen FDP-Präsidenten: Philipp Müller, Aargauer Nationalrat, und Pankraz Freitag, Glarner Ständerat, sind die beiden Kronfavoriten.

Wie sieht das politische Profil der beiden Parlamentarier aus? Wir haben euch ihre smartvote-Profile aus den National- und Ständeratswahlen 2011 rausgesucht:

Philipp Müller, FDP Aargau

Die beiden smartspider zeigen keine markanten Unterschiede. Dies zeigt sich auch, wenn die beiden Fragebogen miteinander verglichen werden.

Es gibt jedoch Fragen, wo sie sich klar voneinander abgrenzen und die sich auch bei der Positionierung im smartspider bemerkbar machen.

In Fragen zur Zukunft der Atomenergie stellt sich Freitag eher gegen den Beschluss des Bundesrates, aus der Atomenergie auszusteigen, Müller ist eher dafür.

Pankraz Freitag, FDP Glarus

In familiären Fragen, so bei der finanziellen Unterstützung der Fremdbetreuung von Kindern und dem Ausbau staatlicher Unterstützungsleistungen für Familien mit tiefem Einkommen, ist Freitag positiv, Müller hingegen negativ eingestellt.

Die aktivere und öffentlichere Aussenpolitik der Schweiz wird von Freitag eher begrüsst, von Müller klar abgelehnt.

 

 

So ist die Achse der “Offenen Aussenpolitik” und des “Ausgebauten Sozialstaats” bei Freitag mehr, die Achse “Ausgebauter Umweltschutz” hingegen weniger ausgeprägt als bei Müller.

Wir sind gespannt, wer das Rennen fürs Präsidium machen wird. Wir wissen es am
21. April, dann entscheiden die Delegierten.

Google, Gott und Giacobbo – unsere Medien-Highlights 2011

smartvote war im letzten Jahr fast täglich in den Schweizer Medien präsent. Ob im Radio oder im Fernsehen, ob in Print-Zeitungen oder online, ob in deutsch-, französisch- oder italienischsprachige Medien – smartvote war in ausführlichen Berichten und Analysen, in Interviews und Leserbriefen, in Politiker- und Parteienporträts, in Blogs, Kommentaren und Kritiken fest in der Wahlkampf-Berichterstattung und -Kommunikation integriert.

Nachfolgend möchte ich Ihnen aus den über 500 Medienberichten des letzten Jahres meine drei persönlichen Favoriten vorstellen:

1. TOP 3 GOOGLE (BLICK AM ABEND)

“Blick am Abend” vom 20. Oktober 2011

Kurze Zeit vor den nationalen Wahlen war smartvote bei den Wähler/innen so gefragt, dass wir zweimal auf dem Google-Podest von „Blick am Abend“ landeten.

 

2. GOTT SMARVOTE („TAGESWOCHE)

Ausschnitt aus dem Interview in der “Tageswoche” vom 2. Dezember 2011 mit Ueli Leuenberger

 

Die Grünen auf Suche nach ihrer politischen Richtung: Ueli Leuenberger, Noch-Parteipräsident der Grünen, überlässt es im Interview mit der „Tageswoche“ (2.12.2011) dem „allmächtigen Gott smartvote“, die politische Position der Grünen im Links-rechts-Schema zu finden…

 

 

 

3. DAS ETWAS ANDERE SMARTSPIDER-PROFIL (GIACOBBO/MÜLLER, SF)

smartvote fand sogar Eingang in die Satire-Sendung „Giacobbo/Müller“! Viktor Giacobbo hatte im Vorfeld der Wahlen ebenfalls den smartvote-Fragebogen ausgefüllt und offenbar einen „smartspider“ der etwas anderen Art erhalten. Sehen Sie den Sketch bei 1 Minute 40:

smartvote hat sich im öffentlichen Bewusstsein und medial als Politikinformationsplattform etabliert. Könnten wir es uns leisten, müssten wir wohl eine Medienabteilung einrichten…