smartvote liegt im Trend. Darauf weist zumindest die stetig steigende Zunahme der Benutzung durch die Wähler hin. An den National- und Ständeratswahlen vom Herbst 2015 haben insgesamt 2.56 Millionen Wahlberechtigte teilgenommen. Von diesen hat rund jeder Fünfte smartvote als Informationsquelle benutzt. In diesem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, wer smartvote eigentlich nutzt?

Diese Frage lässt sich anhand der Daten der Schweizer Wahlstudie Selects (Swiss Electoral Studies) beantworten. Selects führt seit 1995 jeweils nach den National- und Ständeratswahlen eine repräsentative Umfrage zum Wahlverhalten der Schweizer durch. An der Nachwahlbefragung 2015 haben 5’337 Stimmberechtigte teilgenommen. Diese für eine Umfrage relativ hohe Beteiligungsrate ermöglicht auch verlässliche Auswertungen zu einzelnen Wähler-Segmenten wie z.B. den smartvote-Benutzern. Der Selects-Fragebogen enthielt die Frage: «Haben Sie in den Wochen vor den Wahlen die Online-Wahlhilfe smartvote genutzt, um sich zu informieren?». Anhand dieser Frage lassen sich die smartvote-Benutzer identifizieren und ihre soziodemografischen und politischen Merkmale analysieren und mit denen der übrigen Wähler vergleichen. Dabei zeigt sich deutlich, dass sich die typischen smartvote-Benutzer in mancherlei Hinsicht von den übrigen Wählern unterscheiden.

Soziodemographische Merkmale:
Jung, männlich, gebildet

Bezüglich der Altersverteilung der smartvote-Benutzer zeigt sich das erwartete Bild: Im Vergleich zu den Wählern insgesamt sind die smartvote-Benutzer jünger. Das Durchschnittsalter der Wähler liegt bei 50, jenes der smartvote-Benutzer bei 39 Jahren. 22% der Wähler sind jünger als 30 Jahre, bei den smartvote-Benutzern gilt dies für 39%. Weiter sind auch 30-45jährigen unter den smartvote-Benutzern im Vergleich zu den Wählern generell übervertreten. Wie zu erwarten war, sind es vor allem die über 65jährigen, die unter den smartvote-Benutzern deutlich unterrepräsentiert werden. Im Vergleich zu den Wahlen 2011 scheint sich diese Lücke jedoch langsam zu schliessen. 2011 waren die über 65jährigen noch mit 23 Prozentpunkten unterrepräsentiert, 2015 waren es noch 15 Prozentpunkte.

Auch beim Frauen- und Männeranteil innerhalb der smartvote-Benutzer zeigen sich Unterschiede im Vergleich zu den Wählenden. Mit 56% sind die Männer unter den smartvote-Benutzern leicht übervertreten im Vergleich zum Anteil von 48% unter allen Wählern. Wie auch bei der Altersverteilung zeigt sich auch hier im Vergleich zu 2011, dass die Unterschiede tendenziell kleiner werden – von zwölf Prozentpunkten 2011 zu acht bei den Wahlen 2015. Somit scheinen sich die Verzerrungen zumindest in der Tendenz zu „normalisieren“.

Auch bezüglich der Bildungsabschlüsse zeigt sich diese Tendenz zur Angleichung der Unterschiede zwischen smartvote-Benutzern und den Wählern generell. Allerdings bleiben die Unterschiede nach wie vor beträchtlich und sind markant grösser als bei den anderen soziodemografischen Merkmalen. Die smartvote-Benutzer weisen zu rund 54% einen Abschluss an einer Universität oder Fachhochschule auf, während dies bei nur 39% der Wähler der Fall ist.

 

Politische Merkmale:
Politisch engagiert, interessiert, informiert und eher links

smartvote-Benutzer interessieren sich stärker für Politik als der durchschnittliche Wahlberechtigte, sie sind auch besser informiert und nehmen deutlich häufiger an Wahlen teil. Inwiefern jedoch die Benutzung von smartvote für diese positiven Effekte verantwortlich ist, ist nicht einfach zu beantworten. Nehmen z.B. Personen auf Grund der Benutzung von smartvote eher an Wahlen teil oder ist es so, dass die smartvote-Benutzer sowieso an den Wahlen teilgenommen hätten und sich deshalb auf smartvoteüber die Kandidierenden informiert haben? In einem späteren Blog-Beitrag werden wir uns dieser Frage im Detail widmen.

Die smartvote-Benutzer können anhand der Selects-Daten auch auf einer Links-Rechts-Skala politisch positioniert werden. Es zeigt sich, dass die smartvote-Benutzer an den beiden Polen übervertreten sind: rechts nur geringfügig, links jedoch ziemlich deutlich, während die Mitte unterrepräsentiert ist. Diese Angaben sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen, denn sie basieren auf den subjektiven Selbstpositionierungen der von Selects befragten Personen und jeder hat etwas andere Ansichten, was genau links und rechts bedeutet.

 

Fazit: Ein Steckbrief eines typischen smartvote-Benutzers würde somit in etwa wie folgt lauten: männlich, jung, mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss, hohem politischen Interesse und Engagement.

Eine Regressionsanalyse, welche die oben erwähnten Befunde bestätigt finden Sie hier

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